Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 6/7 (1.6.1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 167 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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167 I Widerspruch.) Das hätte den großen Porteil, däß man im deutschen Volk sähe, wie bedeutungslos der Antisemitisrius auch in der deutschen Jugend ist. (Stürmischer Beisall und Zischen.^ Zahnarzt Hans Nathan verteidigte den zionistischen Standpunkt und erklärte sich unter Berufung aus die „Frai kfurter Zeitung" für den Austritt aus dein Wandervogel. - Paul Vanderey berichtete aus Grund eigener Beobachtung, in der Wandervogelbewegung sei früher nie ein Unte schied der Konfession gemacht worden. Arm und Reich, Jude und Chri t seien in seiner Organisation stets gleich geachtet worden.' (Beifall.) Im selben Sinn sprach Hermann Ritter. Ein Wandervogelfiihrer, Hans Thiele, e> klärte, der Wandervogel- Antisemitismus sei nicht politisch; er sei vieln:hr Entstanden durch den Anschluß an das alte Germanentum. E ne Sonnwendfeier mit Juden ist für uns einfach undenkbar, (tz älruke.) Wir sind Antisemiten aus Instinkt. Ein Kampsverein wäre wir bis jetzt nicht, aber wenn wir keine Ruhe bekommen, tocrden wir i trchgrcisen. (Lachen und Seilrufe.)- . '; Iustizrat Dr. Ernst Auerba ch mahnfe, wiederholt von den jugendlichen Gästen unterbrochen, die Wandervogelfiihrer, sich ihrer Verantwortung, bewußt zu sein und an der Erziehuiig. der Jugend zu gerecht denkenden Staatsbürgern zu arbeiten. An der weiteren Diskussion beteiligten sich noch mehrere Redner; der verschiedenen Richtungen. Unter anderem chies 11r. mvä. Löffler, Vorsitzender des Vereins Montefiore, darauf sin, daß im Wandervogel auch jüdische Führer tätig sind, die. man in ihn m Kamps für die.Gleichberechtigung nicht im Stich lassen dürfe. Ehe rs cht die Masse der Jugend gesprochen habe, wäre cs falsch, der Organisati.'n den Rücken zu kehren. Arisch-Heidnische Anschauungen, wie sie heute; wrgetragen wurden, sind zwar höchst bedenklich, vor allem auch vom Sil rndpunkt der Schule aus, aber sie werden sicher nicht die Mehrheit der Jugend gewinnen. Im Schlußwort bezeichnete Frl. Berliner als den springenden^ Punkt die Tatsache, daß sich eine Organisation mit dem Anspruch, eine bestimmte Katcgor an die Schulkinder wende' e zurückzuweisen. müsse Zwietracht in die Schule tragen und =;pic jugendliche Kameradschaftlichkeit zerstören. Der Bericht des „Collier Stadtanzeiger" tom 4. Mai lautet: Wandervogel und jüdische Jugend. Der Zeniralvcrein deutscher Staatsbürger; üdischen Glaubens, Ortsgruppe Köln, und der Iugendvercin Gabriel j liießer, Köln, hätten aus Samstagabend eine große öffentliche Versamwlnng in die Rheinlandloge in der Eäcilienstraßc einberuscn, um Protest zu erheben gegen die antisemitischen Beschlüsse der jüngsten Wände wogcl-Tagung zu Frankfurt a. C. Der große Saal der Rheinlandlog: tvar überfüllt von jüngeren und älteren Wanderer-freunden und -freundinnen, da auch zahlreiche Eltern erschienen waren, um sich über die brennend gewordene Frage zu informieren. In seiner Begrüßungsanspraftse begrüßte Herr F e i lchenfeld besonders die"Vertreter der «ungeladenen konfessionellen wie interkonfessionellen Vereinigungen für Jugendorganisation. Dann besprach die redegeivandte Geschäftsführerin des Iugendvercine Deutschlands, Fräulein Eora in cinstündigem Vortrag die zur! Erörterung' vogel und jüdische Jugend" Eigenschaft wie auch als Dezejuientin des Verbandes der jüdischen V e r l i n e r aus Berlin lebende Frage „Wänder- Die! Rcdncrin hat in ihrer vorbezeichneten Zentralvercins deutscher