Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 4 (1.4.1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 111 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4926451-6352291-6352379--0962-4927076- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
icWi ist im Reiche der Agrarier, die Zug^erb ndnngen sind's w^klich nicht. Aber da man sich nicht so schnell abgewohnt, mit großstädtischen Verhältnissen zn rechnen und nicht ans dje Idee koinnit, daß e^ an .einein Bahnhof keinen (Gepäckträger gibt, — erreichte ich den >Zng nicht inehr nnd >»»s;te in Granden,; bleiben. Ich gestehe, ich hohe i'* nicht bereut. Tenn in einein mehrstündige» Fiisainniensein mit: den Vorstandsmitgliedern des Bereins wurden all:, aber auch alle Artigen der Ingendbewegnng ans das eingehendste onrchgesprochen. Lolche Arbeitssitziingeii sind fast das beste der Reise;: sie schaffen den festen Znsan»nenhalt im Verband, nin den mir so oft beneidet werden,;»nd geben die Möglichkeit, die Erfahrungen der einzelnen allen andern nutzbar zn inachen. . . Ich habe eS wirklich nicht bereut! Glauben Tie mir das noch,, wenn icki Ihnen erzähle, das; ich ain andern Morgen »in ->/-'> llbr!ausstetzen inntzte, >»» nach Tilsit zn koiniilen? Auch hier war der Verein in der (Gemeinde noch recht nx'nig be> , kannt, trotzdem er ii> seineni Preise Ausgezeichnetes geleistet hat.. Aber darin» bedurfte es auch mir eines Anstoßes, »m dem Verein >eine große Zähl fördernder Mitglieder, die Unterstiitznng der Gemeinde, die Mitarbeit der weiblichen Ingend z» sichern. Es gab eine rech; angeregte Tisknsfion. Tie drehte sich vor allen Tingen nin die Frage, wie weit wir unsere Mitglieder außer zn bewußten Inden auch zn bewnßten Tentschen zn erziehen hätten. Titz beste Unterstützung für meine persönliche Ansicht fand ich hier bei dein Vertreter des Zei tral- Vereins, der sich ganz ans den Boden stellte, daß man in den Jugend-' vereinen mit aller Betonung nationaler Tinge sehr vorsichtig sein müsse, weil nichts gerade bei jungen Menschen leichter zn Phrifendrescherei ansarte lvergl. die Antisemiten). Ten nächste» Abend wollte ich nnsern beiden I n st c r b u rjg t r Vereine» widmen, aber — hätten Tio das in nnserni Verbanls für möglich gehalten, — man wollte mich nicht'Haben! Ta ich aber den Grund ahnte, und da ich mich immer ans den Ttandpnnkt gesteht habe, man soll sich in solchen Fällen vor allen Tingen persönlich auSfprechen, ließ ich nicht locker. Ich fuhr bin { nach Insterburg — ein Ztönigsberger Vorstandsmitglied begleitete niich in überaus lievens-' würdiger Weise - und machte dort ein paar Besuche bei Herren; von denen ich wußte, daß sie die Verhältnisse kannten. Ich fand überall __ das frenndlichste Entgegenkommen sowohl bei der Loge wie beim ~ Rabbiner der Gemeinde. T/e Furcht vor etwaiger Richt-Reutrilität des Verbandes ist — das kann ich mit Genugtuung konstatier;» — noch überall, wo ich gesprochen habe, verschwunden. Wen» es mir schließlich noch durch eine Unterhaltung mit eitrigen Vorstandsmitgliedern des Zt öiii g s b e r g e r Vereins gelungen sein sollte, diesen Verein zn veranlassen, neben seine außerordentliche Regiämkeit ans geistigem Gebiete eine gleichwertige ans dem Gebiet;' des Turnens, Wanderns »sw. zu setzen, bin ich vjo» meine» Anfangserfolgen in Ost- und Westdentscbland völlig brssiüedigt. Ich fuhr | über Tanzig nach Berlin zurück. I f>cachdeni ich zwischendurch das glänzend verlaufene zehnjihrige Ttiftnngsfest unseres Vereins in Erfurt schnell mitgefeiert hatt:, be-