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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1914-01-01 · 1 (1.1.1914) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
5 (1914)
Issue
1 (1.1.1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Wahrheit jenseits alles Logischen, die völlig künstlerische Sachlichkeit, die selbst Hebbel nicht wieder erreicht bat. ' I , . Hei mann hat den wahrhaften „Lämmergeier" von Gedanken gefmden — und, wie er erzählt, eines Nachts halb im Tsauine gefunden: „Tie Wahr, heit liegt in der Tat zwischen zwei Extremen, aper nicht in der Mitte." Und dieser Satz von dem Fluktuieren alles Wirklichen zwischen den Pole i des Begreiflichen reißt aus der Statik des Denkers;bie bewegliche Formkra t des Künstlers; er gibt aber zugleich auch für alles Derchen und Schaf,fest bei Himann den Inhalt. Das Problem, das sich tm Lichte dieses Seches zeigt, und das fundamental genug ist, um in ganz gleichem Matze als theore isches und praktisches, religiöses und ethisches Problem angesprochen zu werden, ist das uralte von Freiheit und Notwendigkeit, von Welt und Ich von Individuum und Gesellschaft. Der Stein der Freiheitssehnsucht, de, uns aufs Herz fällt, zieht diese Kreise immer weiter und untiefer — aber es ist die eine selbe Erschütterung. Und Heimann ,weitz: „Der Mensch i t ein Zeitwort, das unregelmätzig konjugiert wird: sein Präteritum heitzt Not- Wendigkeit, sein Futurum Freiheit". An dem Gedanken, datz alles, was geschieht, mit Notwendigkeit geschieht, muffen wir „vmbeileben"; die Wahrheiten „der gottgewollten Abhängigkeit" so gut wie der „notwendig fortschreitenden Entwicklung" werden zu vernichtenden Unwahrheiten, sobald wir nach ihnen statt nach unseren immanenten Willenskräften leben wollend Es gibt nur ein Glück, aber auch nur eine Gefahr: sich verlieren, ins lieren. ' Der tot« Wille ist schlimmer als die lebendigste Sünde, es in allen Schenken, Herbergen und Hureuhäusern mit ihrem Fliuchen, Schimpfen und Schwören so viel Unanständigkeit wie in einem Wörterbuch?" ' Aber genau so lebenzerstörend wie die trockene Versachlichung des Gelehrten oder die feurige des Frommen ist die ganz unsachliche Selbstbefreiunjg, der reine Individualismus des Abenteurers, des Künstlers. „Wer gasti Ohr ist, hört nichts!" Der Eigennützige »ützr »:chr sinmal sich selbst. Der Mensch kann ohne die Menschheit so wenig loben wie der Finger ohne den Menschen, Und zwischen Ehrfurcht und Freiheit, Geselligkeit und Einsamkeit -U nicht die „Mitte" zu suchen (das ist die Art farler und faulender Philister), sondern in lebendiger Bewegung zu bleiben: das ist das ei, entliche Heimannsche Problem, das alle seine Sehrifte i erörtern. Es ist das; Neue, das geistesgeschichtlich Grotze an diesem Skeptizismus, datz «r nicht die Be, griffe und nicht ^einmal ihren Wert in Zweifel zieht.; sie sind höchst wichtig als die Pfosten, zwischen denen das Seil des Lebens gespannt ist. j ist die Wahrheit eben nicht in den starren Pfosten, sondern in dem sä den Seil. Und keinen liebt und bewundert Heimann deshalb mehr kühnen Turner am Seil der Realität: den Politiker. Politik lehrt Journalismus und ChiliasmuS in kluger Fahrt! hindurch zu steuern" Politik, die nichts anderes ist als die Einpaffung und Auswirkung gevsönlichster, freier Willenskräfte im Rahmen der Notwendigkeit, der sämtlichen gegebenen Weltumstände. Bon dein in diesem Ginne politischen und seinem Gegenstück, der (wie Shaw sagt) hoffnungslos privaten handelt Heimann in seinen philosophischen Dialogen der Brüder Walt und Wult so gut wie in all seinen Dichtungen. ';|. Er zeigt in einer Novelle «Misker Tullers Respekt", wie es einem grmen Poeten gelingt, sich durchgusetzen, nfe-il ihm nach einem entmannenden! Rausch scbwärmenden Allgcsühls in der Lasche des geliehenen Rockes eine r graue

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