Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1913-06-01 · 6/8 (1.6.1913) · p. Seite 167

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
4 (1913)
Issue
6/8 (1.6.1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 167 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4926451-6352289-6352366--0579-4926703
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 167 — eigene 'Stellung, ganz gleichgültig, in weläzem Laxer, einzunehmen, mit vollster Offenheit durchgesochten haben, ohne irgend eine Kon- Zession zu machen. Wir glauben, Sie werden uns auch zugeben, dag dieser Geist der Ehrlichkeit und der Objektivität auch aus dem Verbandsorgan. selbst ivenn emmal ein einzelner Antor die Grenze der objektiven Darstellung. die so schwer zu ziehen ist. ein wenig überschreitet oder wenn, wie diese der letzte Krittler in der Mainummer rügt, nicht immer sofort ei» jedes Problem in jeder Beleuchtung gezeigt wird. Allerdings müssen wir ausraumen mit dieser iwergrotzen Aengstlichkeit, mit dieser Ueberempsinülichkeit, die hlittee jedem Ausdruck gleich einen bestimmten sestgelegten Parteistand.'unkt und eine agitatorische Absicht wittert und die uns jede U ibefangenheit im Urteil raubt. Aber darin liegt ja gerade der erzieherische Wert unseres Neutralitätsprinzips. Wir wollen uns darcu gewöhnen, auch den Gegner einmal ruhig anzuhören. Das ist der ltnsang zum' Verstehen und. Achtenlernen. (Sehr richtig! Allgemeine Zustimmung.) Und wenn wir erst so weit sind, dam« wird cs nicht mehr möglich sein, dag sich die Parteien so gegenseitig besehden und ze rfleischen, wie wir^ es heute so tief beklagen. Darum begrüben wir die Neutralität^' rejolution des westdeutschen Bezirksverbandes. Män mag ihre Fassung für unglücklich halten, im Kern.trifft sie. den Nagel auf den Kopf. Wir sind von der heiligen Ueberzeugung durchdrungen, dag es uns, wenn wir die dort ausgestellten Forderungen in unserem Kreise unnachsichtlich durchführen, gelingt, ein Geschlecht heranzubilden, das zwar den Kampf nicht scheut, das aber über das Trennende das Einigende nicht vergibt. Denn wir wollen uns doch , darüber klar sein, dag, wer auf dem Boden steht, daß Glaube/ Ab, stammung, Geschichte, Einheitlichkeit der wirtschaftlischen'sozialen Verhältnisse und all der Tausend Fäden, die sich daraus! bis hinein in das persönlichste Leben des Einzelnen spinnen, nicht ichstande find, über alles Trennende hinweg, Gemeinsamkeiten zu schaffen, der hat dem Judentum die Existenzfähigkeit abgesprochen. $ic Probleme des Juüentums sind mit den herkömmlichen Begriffen nicht restlos zu fassen, niemand weitz, wem die zukünftige Entwickelung recht geben wird. Wir haben unsere Pflicht als Juden erfüllt, wenn wir die Kenntnis von diesen Dingen vermehrt u^id das Suchen nach der Lösung verlieft haben. Eine Jugendbewegung aber hat noch viel weiter zehende Aufgaben. Gestatten Sie mir, die zweite Frage aufzuwerfer : Wie st e 11 e n wir uns als Staatsbürger und als soz ial denkende Menschen zur Jugendbewegung? Zu keiner Zeit ist das Problem der Gemeinschaftserziehung sa stark erörtert worden, wie in der heutigen. Alle Organisationen, an der Spitze der Staat selbst, haben ihren Anteil daran. Auch unsere Jugendbewegung ist für sich nur ein Teil der groben allgemeinen Strömung, die man unter dem Namen Jugendpflege zussammenfabt. Ihr Ziel ist auch das unsere: ein an Geist und Körper gesundes Geschlecht heränzuziehen, das von Gemeinsinn, ohne den heule eine Persönlichkcitsentwicklung undenkbar ist, beseelt ist, und den staatlichen und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.