Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 4 (1913)
- Issue
- 5 (1.5.1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 141 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— 141 — r liiit kühnein Siifce überspringen will, uni alles im ersten Anlauf zu verwirklichen. Leine Entwürfe und Ideen waren meist aut, gesund »nd immer genial, die Mittel, mit denen '« fic ausfiihrtc, oft unzulänglich, und der intellektuelle Defekt in Unfein bewunderungswürdig klaren und komplizierten Gehirn war es, de st er keinen Unzulänglichkeit von Mitteln hatte. Dem imr. für die eigenwilligen, durch und durch iudwidualiftifäien Juden fehltcldie echtdeutsche Gabe, eine Lache zu objektivieren und zu orga-nisiereu,! so das; sie auch außerhalb seiner Persönlichkeit sachlich sichergcstellt! war. Lcincr Phantasie schwebte ein großzügiges Eisenbalmsystein von Numänien durch Deutschland bis zum Atlantischen Lzean vor, aber die wstemlose Arr und Weile, mit der er an allen Ecken und Eisden Eisenbahnen zu bauen begann und daneben noch alle möglichen andere» Unternehmungen, Maschinenfabriken, Bergwerke, Eisenwerke.! Markthallen^ Leitungen gründete und Grundbesitz anhäufte, führte notwendigerweise. dazu, . daß die vielen organisch unverbundenen Lkücke, die er inder -'Hand hielt, sich nicht zum Ganzen fügen konnten. Lein Zusammenbruch war der größte, den das deutsche Wirtschaftsleben je erlebt bat. ^nzwisckien hat der jiidische Unternehmer als industrieller finanzier und auch als reiner Industrieller viel gelernt und gerade. die überaus fruchtbare Mischung und Zusammenfassung der etwaö schweren germanischen Erganisicrungskunst mit der genjalbestcliwingten rechnerischen und kaufmännischen Phantasie des Mischen Tem- .- perameuts hat den Gang des deutschen Wirtschaftslebens in der letzten wirtschaftsgeschichtlichen Acra an vielen Llellen kräftig beflügelt/ Cut den deutschen Großbanken, in den Perwaltungskörpern und Auf- . sichtsrären fast aller industriellen Unternehmungen sitzen heute Juden und überall bilden sie den drängenden Lauerteig in der fundamentalen Lachlichkeit der deuticl'cn Wirtschaftsorganisationen. Besonders in zwei Persönlichkeiten genialen Wuchses hat fictr diese Mischung auf das glücklichste und wirksamste verkörpert, . in . . Emil N athe n aai uitd A l b e r t B a l l i u , den beiden gxöszleir wirtschaftlichen Persönlichkeiten, die das deutsche ^ndennim hervorgebracht hat, iftiö mit den stärksten Persönlichkeiten der deutschen Wirtschaftsgeschichte überhaupt. Einil Natbenan, von -'Hause aus in- -. dustricller Techniker, ist nicht durch seine eigenen technischen Konstruktionen groß geworden, wie Werner v."Liemens, der immer mehr der Wissenschaft als dem »aufmannsstande zugezählt werden wollte. Nathenaus technische Begabung-war mehr rezeptiver Art...er hatte jden seherischen Blick für die praktische Leistung, und zwar hie.höchste J praktische Leistung, die aus irgend einer Erfindung herauszubolen war, er machte so das Telephon, die elektrische Glühlampe, die große elektrische Kraftmaschine, die clektrisckzc Kraftübertragung für das deutsche Wirtschaftsleben nutzbar. Er verstand es auch meisterhaft, den -Technikern technische Probleme so zu formulieren, daß sie ach » zweckmäßigsten für die Bedürfnisse der Praris gelost werden konnten. Noch stärker als der industrielle Produzent aber war in ihm der industriell-e Kaufmann. Er sab, daß. die Elektrizität eine-gewaltige Zukunftskrafl war. er mußte aber auch bald gewahr werden, daß der Konsum sich nur langsam und widerwillig dieser Kraft znwendele.