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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1913-04-01 · 4 (1.4.1913) · p. Seite 107

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
4 (1913)
Issue
4 (1.4.1913)
Date
1913-04-01
Page
Seite 107 (sequence 12)
Language
German
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— 107 Polemik und Tagesfragen ein Ideal/ und das beißt: sich außerhalb der Der Wandervogel und die jüdi^he lugend. ' Tie 'Wandervögel! auS dem Äreise. unserer Mitglieder habe» den i in der Februarnumnier unter obigem Titel geäußerten Ansichten energisch widersprochen. Wir geben aus den zilhlteichen Eilschriften, die wir erhalte» habe», folgendes wieder: : Ter Wandervogel bat i» dein Sinn. wie cs der Herr Einsender nwint, gar iein lonkrctcS Vorbild. Ter Wandervogel hat Statur. Erfassen all der göttlichen Schönheit, die snidtmaueru und der-Schulbänke findet, freier, ungebundener Frohsinn. fern vcn aller. rlieoretischesl Spekulationen. Der Wandervögel will die lnngen Leute tfiirJffii, kräftigen, ihnen die Augen öffnen für die grandiosen Ofsenbc rungci her Natur, an denen sic oorüberzustolpern gewohnt sind. Wenn ihnen dabei! die Naturfrische eines Bauern gewognen wird, freuen wir uns dessen recht herzlich! Aber der Wandervögel ist weit davon entkernt, irgendwie traditionell eingestellt zu sein. Es ist kaum faßbar, wie man von traditionellen Fäden sprechen kan», die uns mit unserer deutschen Laiidbevöllernng verbinde» müßten, ivcnn cs sich um ein Raturgcnießcn handelt. '6'laubcn Sic, Herr Einsender, daß auch nur ein kleiner Prozentsatz jener christliche» Großstadtjungcn in. innigerem .ttontoskt ist mit dem deltlkchen Baucrnnand als ein jüdischer Eroßstadtjungc. Vergißt er, daß bis vor nicht allzu langer Zeit ein großer Teil der Juden Deutschlands selber mit diesen Bauer:: zusammengewohnt, zukammcngelcbt hats! Wird er dann immer noch d:e Worte schreiben: „Es 'sreht ilns nicht an, wie jene (die christlichen Jungcns mit den Bauern und ihren Sitten zu leben?" Wollten wir die KonsegUenz aus ibrcn Ideen ziehen, so müßten wir alle morgen aurpacken und auswander». i! z emul. jur. H tz g o M a r r . Heidelberg. Ter Wandervogel ist nicht international, sondern eine deutsche Bewegung. Tie Ideale des Wandervogels sind eine Reform des ganzen deutschen Le vens im Sinne des reinen Menschentums, ausgehend von der Statur und de u Naiurzustand der Lllenschheit. Daher kämpft der Wandervogel ganz besonders gegen jegliche Vorurteile, also auch gegen solche des Standes, der Rasse und Religio». .Bciin Eintritr in den Wandervogel darf niemand nach se uer Religion gefragt verden. Wenn einzelne Juden nicht Aufnahme gefundcvi babcn, so teile, sic dieses Schicksal mit vielen,Andersgläubigen, denn viele müssen als ungeeignet zurückgeiviescn werden, da sich bei den Ppobekabrren oft herauspellt, daß die .Wrpcrkräfte nicht den erheblichen Aiikorderungen, die der Wandervogel stellen muß, genügen. ■ Eine Zurückweisung infolge der Religion darf bei dem Wandervogel nicht geschehen. Sollte dies bei dieser oder jener Ortsgruppe von. den über ckOV doch einmal, vielleicht infolge Zeines pngünstigen Milieuetnslusses, Vorkommen. ko würde eine Beschwerde bei der Vervändsleitung sofort Remedur schaffen.! In vielen Ortsgruppen sind Juden in leitenden Stellungen. Von Feste» feiern die Wandervögel nur das Weihnachtsfesr und die Sonnwendfeiern. Die Feste sind saber nicht Zweck des Wandervogels, sie

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