Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 4 (1913)
- Issue
- 4 (1.4.1913)
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 99 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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99 „Jubentuirt und Ctiriflentum in ihren Unterfd)eibungslel)ren‘|. Es beschäftigt uns ein Gegenstand!, der unser innerliches Jnieresse verdient, l Judentum und Cbristentuni sollen gegenübergestellt werden. Gegenüberstellung soll nichts Feindesstellung sein, sondern Klarstellung. ES gilt' den Besitzstand des Judentums klar tu erkennen. Aber ist er nicht zugleich der Besitzstand des, Christentums? Gewiß, das Neue Testament knüpft an das Alte Testainent an, daS in zweifellos. Dennoch ist das Neue Testament und mit i'bm das Christentum vielfach ein Neu ge bilde. Ta haben wir die Unrericheidungslehrcu, die Christentum und Judentum zu zwei Welten abzgreigsn. .Auf den bedeutsamen Gebieten der Gottesidee und der'Eth i : Ist das Christentum, ist die Kirche monotheistisch'? Die Kirche gibt Gott einSn Gcgengoit, den Lat an, den swon das Neue Testament zur gottseiudlichen Großmacht wachsen läßt. Ter offenbare D u a l i s in u s. Aps der einen Leite. Auf der anderen siebt die Kirche den Vater, den Lohn, den Heiligen Geist-miteinander organisch verknüpft: die Dreieinigkeit. Das Neue Testament lehrt solche Dreieinigkeit noch nicht. Auf sie ist selbst die Taussormel (ttnj Matthäus-Evangelium) nicht zu deuten. Wohl aber liefert das Neue Testament die Materialien zur Trinität. Zunächst den ,-.L o h n". Er freilich ist im neutestamentlichen Schrifttum auch da, wo er'als Gottheit auftritt, dem Vater untergeordnet. Hin und wieder hüllt er sich in ein eigenartiges Gewand, wenn „Gewand", weil) äußerlich, überhaupt zutrifft: in den Logos, Gottes „Erstgeborenen", der die göttliche Wahrheit repräsentiert, eine Art Mittclwesen zwischen Gott und Mensch. Daß Sohn und Logos sich identifizieren, geschieht im Neuen Testament zuweilen offiziell, zuweilen offiziös, immerhin mehr in Umrissen. Wie der Logos aus der griechischen Philosophie, über Philo, den jüdisch-griechischem Philosophen, ins Neue 'Testament eindringt, wie er alsdann unrer Philos Führung, bei den (griechischen) Kirchenvätern Clemens und Drigenes, denr Lehrer und dein Schüler, eine wenn auch nicht volle Höhe des Gottseins erklimmt, wie er Endlich vom «griechischen) Kirchenvater Athanasius, einem Jünger ' des Drigeues, zur Gottheit, die dem Vaterwcsen gleich sei. emporgeboben wird, um zum Dogma der „Wesensgleichheit des Sohnes" fixiert zu werden (zu eirieni Dogma, das Millionen von Katholiken und Protestanten, von Intellektuellen inid tltichtsntellfktucllen als hochheilig erscheint), dies z!t verfolgen ist überaus interessant. Nickt io liebevoll ist die Sorgfalt, deren sich der Heilige G e i st erfreute. Aber derselbe Athanasius hadem Heiligen Geist, der wohl im Neuen Testament ein unpersönliches Dasein führt und erst nachher den Rang der göttlichen Wesens, leichbeit ero zur „Person' bert., geworden ist.