Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 4 (1913)
- Issue
- 3 (1.3.1913)
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 73 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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73 gen über die Emanzipation der Juden in den Bundesstaaten und die gesamte gegnerische Literatur zu dieser frage verfolgt und begutachtet. Tie Berufsgc schätfle nahmen in de», nächsten Jahren nach Süddeutschlaud. der Schweiz und brechuug. . 1846 erfahren wir von seiner Wicklung der Freiheit Teutschlatchs. die seine Haupkzeit in Anspruch. Reisen England bieten willkommene Unters ersten politischen Rede über die Enter gelegentlich der Wiederkehr des Tages der Leipziger Völkerschlacht bei hinein öffentlichen festmabl hielt. Als 1848 das Vorparlament der frankfurter Nationalversammlung zusammentrat, gehörte Gabriel Riester zu den wenigeii durch das Vertrauen des deutschen Volkes ausgezcichiieteii Männern, die / bisher nicht Ständemitglieder wardu, sondern besondere Einladungen erhallen lbatten. In die frankfurter Rationalversammlung trat R. als Telegierker des Herzogtums Lauenburg ein, eines Staates. in dem Juden noch nicht einmal wohnen durften. Damit beginnt Riesters politische Laufbahn, die folgenden Jahre sind ganz dem Wirken der deutschen freibeit gewidmet. Die Beratungen über die deutschen Grundrechte ttaten ihm eine günstige (velegenbeit, auch in der Nationalversammlung für die Gleichberechtigung der Inden einzuirete» und sie durchzusetzen. Er wurde zum zweiten Vizepräsidenten eruännl. ' Als Berichterstatter des VerfassungSauSfchuffes hielt er die Tcklustrede vor der lÄesamtabstimmuitg, . die sogenannte Kaiserrcde. die als die glänzendste Rede bezeichnet worden ist, die in der Paulskirche gehalten wurde. Als Mitglied dcir gewählten Deputation fuhr R. nach Berlin, um friedlich Wilhelm fV. die deutsche Kaiserkrone anznbicicn. ' Im Mai 1 S4ti sah er sich, durch hie politischen Ereignisse gezwungen, aus der Nationalversammlung auSzulrete». Er ging nach Hämburg zurück, wo endlich in Ausführung der deutschen Grundrechte' die bürgerliche Gleichstellung der . Juden beschlosseii war., Auch in den folgenden Jahren nahm R. unermüdlich teil an den politischen Bestrebungen. Hamburg wählte ihn 1850 in das Erfurter Volksbaus. Dem ueugegrüudetcu Nakioualverei» trat er als Mitglied bei. 1ST>!) wurde er bei Neueinführung der Hamburger Verfassung in die Bürger-^, felxifl gewübli. Politisch stand R. auf liberalem Ltaudpunki. zwischen Konservativen und Demokraten, für Deutschland erstrebte er eine monarchische Verfassung unter Preustens fübruug bei tveitgehendster Berücksichtigung der Rechte der Einzclstaateu. 1800 ivurd.. Riester, dem 1820 die Zulassung zur Advossatur . versagt worden war. als Richter an das k?bergericht in Hamburg berufen. Er tvar der erste jüdische Richter in Deutschland. Nickt lauge sollte er sich des Er? iolgcs seiner unermüdlichen Tätigkeit erfreuen. Am 22. April 1863 raffte ihn eine tückische Krankbeit dahin. j * C- B. Um unseren Lesern eine Probe von Gabriel Riesters kerniger 2prache zu geben, lassen wir den Scklust seines ersten Werkes zur EmauzipationSfragc folgen: . | Über die Stellung der Bekenner des mosaischen Glaubens in Deutschland. „Bn die Deutschen aller Konfessionen." i i Es ist eine bei näheret Betrachtung nicht zu verkennende Lüavrheit, dast der eigentliche Grund dcS heutzutage also zu einer Zeit, wo religiöser . fanatiSmus etwas ganz Unerhörtes ist ~r an manchen Crtcn bei einzelnen' Klaffen und Ständen sich offenbarenden Mistbebagens gegen die Juden gerat« in dem unnatürlichen verkehrten Recktszustande derselbe» zu sticken ist. Dast die besondere Religion mit der bürgerlichen Tätigkeit gar nicktS zu tun hat.