Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 4 (1913)
- Issue
- 1 (1.1.1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Der Sd]u!ek!opfer. . seine nxthre Oiefthichte aus einem kleinen rheinischen SteiMefien. Bon Rubel A p f e f. ' Es sind wirtlidte Tatsadien, die ich beviditc, lieber Vefev. Meine Wefd)ic6te der Bergangenheit aus dem jüdischen ö>b«to wist :dt erzählen, sondern eine kleine Skizze aus.einem kleinen Städtchen, nicbl weil von unserem lieben Äöln, Freutchki^ isr unser Städtchen gelegesi, Ein Ncbenflüßcben des Rheins bildet nach der südlichen Seite seine Grenze, ein W?ld begrenzt e-rnach Norden, der Ausblick auf das Siebengebirge lobni die sich weit ausdebuenden Spaziergänge in .seinen wohsgepflegten Anlagen und ein Berg, von einer alten Burg und 'dtölieii Baumgruppen gesdunückr, bilde; seinen llklrtlelpunkr. Traulich sduniegen sicl' die allen Gaue» des Städtchens an deir' Fuß ■, dieses Berges, iraulicb grüßt der schöne mit Linden geidunückte Marktplatz den Fremden, und eine kalboliscbe und enie proteskamisd'e Mirche laden ihre (iShin* bigen zum Geber ein.! Es ist Samstag: reges Leben berrsctn in de» Maufläden und auf dem Markt und nur eine Straße, die in den Marktplatz mündet, annet tiefe Ruho. Tie Läden sind geschlossen, geputzte junge Mädchen und junge Männer ivandern auf und ab, und die Gebetbücher in der Land, siebr man fromme Beter zur Sbnagoge ivallen. die. durch einen Borbof und ein eisernes Tor von der Straße .getrennt, fast in der .d>4«e liegt. Wir sind an Fudenviertel, Nicht, in seinem miHklalkerkidien. in deür der Zwang die geplagten jüdischen Mitbürget einsperrte, sondern in einhnt freiwilligen. Turch Zufall und Gewobnbeit lebt fast der größte Teil der Fuden des Siädrdiens in dieser Slraße vereint, und die? verleibt ibr des Freilchg nactnniitags und am Samslag ibr eigentümliches Gepräge, Eine Gestalt in es aber, die uns von allen anderen auffällt,' altes berwirierres Gesidn: ans dem Hn Paar Augen blicken, die halb versemiiitzt, halb gutmütig aus-schauen, öffnet die Pforte der Svnagoge. Es ist dsfs der Schainmes- oder Snnagogendsener, der seit mehr denn einem halben hundert sein Amt bekleide:, Heute in Samsiag und die Hauptinsignie Amtes fehlt ihm, ihm fehlt der Hannner! Tn lächelst, lieber LeiH und denkst,^wozu dieses? Tn hast keine Asbnung von der Wichtigkeit dieses aiinrumenles. Es in vön Holz und dient, dazu, den Mitgliedern der Gemeinde den Anfang des Gottesdienstes zu verkündigen, Tiese minelalterliche Einridnung har itdi Ivohl nirgendivo .in - ihrer ursprünglichen Genalt erhalten, als eben i» unserem Siädtcheb, An den Wochentagen, ivenn kaum der Morgen dämmerr, buschn unser ScbammeS von Tür zu Tür, wo er einen jüdisd'en 0'laubensgenössen vermurer, und im fröblidien Takwlus — lang, kurz, kurz — Hüpft fein wimuev an die Pfosten des Hauses. ESteh' auf, fauler Schläfer, es äir Zeit zum Morgeugebet", so beißl's auf.gm Deutsch übersetzt und, trotz der frühen Smndc siebt nian mand>en Beter zum Goties- - hause walken; jtttb des Nad'mittags läßt der Hammer ivieoer sein ülstiges Pod'en ertönen und. nur am Sabbat und Feiertag ruht er. Aber nicht sein emsiger Träger, „Mer geibk Sdmle!" so ertönt seine Stimme hie' Straße entlang und-dwsem zwar nicht wie Glockeniöne barmonisd' sd'allenden Rufc folgt die fromme Schar. Toch nicht immer tönt der lustige Taktnlus^ .ein trauriger Spondäus ldng. lang inr Lern ersdireckien Lauidter kund, daß die Seele eines der Geme.indemitgl:eder zum Himmel gestiegen und . der eben aus dem Schlafe Erwachte denkt besorgten Sinnes: ivc-. mag das sein? ziahrseines