Pult und Bühne
- Journal
- Pult und Bühne
- Volume
- 1938
- Article
- Hermann Eisner: Ein Streit wird geschlichtet
- Date
- 1938-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Temperamentvoll und ausführlich versuchte nunmehr jede Partei die Berechtigung ihres Standpunktes dem Schlichtungsausschusses darzulegen. Dieser hörte geduldig zu, wobei er von der Auffassung ausging, daß eine längere Aussprache dazu dienen könne, Verständnis bei jeder Partei für die Ansicht der anderen zu erwecken. Der Vorsitzende im Verein mit den sachverständigen Beisitzern bemühte sich durch Fragen, den Sachverhalt weiter zu klären. Schließlich ließ sich Fräulein X. davon überzeugen, daß sie als Mitglied eines Ensembles dem Verlangen ihrer Direktion nachkommen müsse, die lediglich das Gesamtinteresse aller im Auge gehabt hat, ohne sie persönlich irgendwie zurücksetzen zu wollen, und als sich aus den Ausführungen der Direktion ergab, daß im Spielplan Fräulein X. für die nächste Hauptrolle vorgesehen sei, stand einem Vergleich nichts mehr im Wege. In diesem erklärte Fräulein X., daß sie nunmehr gern die ihr übertragene Rolle spielen wolle. Beide Parteien dankten dem Schlichtungsausschuß für seine Tätigkeit, die dieser ehrenamtlich ausgeübt hatte. III. Nicht immer gelingt es jedoch dem Ausschuß, einen Vergleich zwischen den Parteien herbeizuführen. Er ist auch oft gezwungen, sachliche Entscheidungen zu treffen, wobei die Sachkunde der einzelnen Beisitzer besonders wertvoll ist. Handelt es sich um kleinere Streitfragen persönlicher Natur, so bemüht man sich, die Entscheidung in der Weise zu fällen, daß beide Teile befriedigt sind und davon überzeugt werden, daß ihnen kein Unrecht geschieht.