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Pult und Bühne · 1938-01-01 · 1938 · p. Seite 91

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Pult und Bühne
Volume
1938
Article
Arthur Silbergleit: An Juda
Date
1938-01-01
Page
Seite 91 (sequence 3)
Language
German
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Allgemeinheit nicht zugänglich wäre. Gerade für gemischten Chor, den naturgegebenen Zusammenklang heller und dunkler Stimmen, gibt es eine herrliche Literatur, angefangen von den kostbaren Schätzen der Madrigalzeit, über Händeis grandiose, der jüdischen Geschichte entnommene Chorepen, bis zur Romantik (Mendelssohn) und zur Gegenwart. Das jüdische Volkslied liegt in brauchbaren Chorbearbeitungen vor. Insbesondere fordert das Schaffen der zeitgenössischen jüdischen Komponisten sein Recht. Es läßt sich nicht verschweigen, daß moderne Musik bei den Sängern immer schwerer durchzusetzen ist. (Es war auch unter günstigeren Umständen nie leicht.) Aber das darf keinesfalls von der Verpflichtung gegenüber den Lebenden abhalten. Der Chorverein stellt in seiner Struktur gleichsam einen „Kulturbund im kleinen" dar. Jüdische Menschen aller Stände und Berufe, jeder religiösen und weltanschaulichen Richtung vereinigen sich in ihm. Das Band echter Freundschaft und gegenseitiger Hilfsbereitschaft verbindet zumeist die Mitglieder. Wie in jeder größeren Familie, gibt es natürlich auch gewisse Reibereien und Eifersüchteleien. Kleine Eitelkeiten und ehrgeizige Ambitionen gilt es einzudämmen, Unpünktlichkeit und Mangel an „Chorgeist" zu rügen. Der Vorstand und der Dirigent, denen gewissermaßen Elternrechte zuerkannt sind, werden immer auszugleichen und zu schlichten wissen. Die Befürchtung, daß der oft stark individualistisch veranlagte jüdische Sänger sich nur mangelhaft in die Chordisziplin einfügen würde, hat sich wohl nicht bestätigt. Es stimmt weder, daß jede Dame, jeder Herr in der ersten Reihe sitzen will, noch daß alle Anspruch auf solistische Betätigung erheben. Mit zu den erfreulichsten Tatsachen des Chorlebens gehört es, daß beim Singen sich jung und alt einträchtig zusammenfindet. Frau Musika überbrückt die Kluft zwischen den Generationen. Für die Jugend bildet das Chorsingen einen musikalischen Erziehungsfaktor ersten Ranges. Die gemischten Chöre stehen überall, wenn sie nicht gar Träger der örtlichen Zweigstelle sind, in engster Zusammenarbeit mit dem Kulturbund. Als „Konzertgebende" gehören sie in gewisser Weise zu seinem Künstlerpersonal. Als „Publikum" vermehren sie samt ihrem Anhang die Besucherzahl aller Veranstaltungen um eine besonders kunstbegeisterte Gruppe. Der Kulturbund seinerseits sieht in den Bestrebungen der Vereine das Beste seines eigenen Wollens verwirklicht und sucht sie daher nach Möglichkeit zu fördern. So schließt sich der Kreis, und es ist des Gebens und Nehmens kein Ende. * «)l

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