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Pult und Bühne · 1938-01-01 · 1938 · p. Seite 88

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Pult und Bühne
Volume
1938
Article
Werner Hinzelmann: Schüler vor der Rampe
Date
1938-01-01
Page
Seite 88 (sequence 2)
Language
German
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Und da zeigt es sich, daß die Kinder durchaus nicht unkritisch sind. Es wird zum Beispiel die Frage aufgeworfen, ob es richtig sei, daß die Schauspieler bei einem Trauerspiel am Schluß noch einmal vor den Vorhang treten. Ein Kind antwortet: „Ich finde, daß man viele Illusionen dadurch verliert. Andererseits aber müssen sich die Schauspieler doch für den ihnen geschenkten Applaus bedanken. Auch ist es ein schöner Abschluß, alle Schauspieler noch einmal zu sehen. Dabei kommt immer wieder zum Ausdruck, daß das ganze Stück die gemeinsame Arbeit aller Mitwirkenden ist." Ein anderes Kind: „Ich finde es ganz richtig, daß die Schauspieler am Schluß noch einmal vor den Vorhang treten; denn dadurch; kommt man wieder in die Wirklichkeit zurück." Interessant ist, daß die Kinder über die notgedrungen primitive szenische Ausstattung völlig hinwegsehen und vor allem die seelischen und geistigen Werte aufzunehmen versuchen. Von nachhaltigster Wirkung sind übrigens gerade die Stücke, die jüdische Stoffe behandeln oder im jüdischen Milieu spielen. So haben „Jusik", „Reubeni", „Der Pojaz" und „Uriel Acosta" die Schüler am meisten beschäftigt. „Wenn der ,Pojaz' mit seinen traurigen Äugen lächelt, dann bin ich selbst in der Wirtsstube in Barnow", schreibt ein 15jähriger. Daß unsere Aufgabe richtig verstanden ist, und auch ihren Zweck erreicht hat, hat uns am besten die Zuschrift eines schon schulentlassenen Jungen gezeigt: „Das Beste ist wohl, mag das Stück ernst oder lustig sein, daß wir begreifen lernen, es gibt außer unserem engen grauen Alltag noch etwas anderes, das uns reich machen kann, ganz gleich, wie es uns geht, und das ist die Welt, die wir durch die Kunst kennenlernen." In die gleiche Linie fällt auch der Ausspruch einer) Schülerin bei einer Diskussion über Kino und Theater, bei der einstimmig sich alle für das Theater erklärten: „Im Kino ist ja nur die Leinwand vor uns, und wenn wir lachen oder Beifall spenden, kommt es gar nicht zu den Menschen, die da spielen. Im Theater fühlt man so sehr das Lebendige." Der jüdischen Jugend diese Werte zu vermitteln und mit auf den Weg zu geben, ist die Aufgabe des Theaters der jüdischen Schulen und das Echo, von dem wir hier einige Proben gegeben haben, und die Begeisterung, die uns bei den Aufführungen aus dem gefüllten Saal entgegenschlägt, sind uns der schönste Lohn.

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