Pult und Bühne
- Journal
- Pult und Bühne
- Volume
- 1938
- Article
- Werner Hinzelmann: Schüler vor der Rampe
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 1)
- Language
- German
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WERNER HINZELMANN: Wenn wir in unserer Schulzeit ein Theater besuchen durften, stand hinter der Freude des Erlebnisses drohend das Gespenst des Klassenaufsatzes und trübte uns so den Genuß. Unsere jüdische Schuljugend, die die Aufführungen des Theaters der jüdischen Schulen besucht, äußert seine Meinung über das Gesehene frisch von der Leber weg, und es sind belustigende und oft auch rührende Zuschriften, die uns erreichen. Ein Mädel schreibt: „Ich bin sehr gerne Mitglied der Jugendbühne, da ich es sehr schön finde, wenn ein Stück nur von jüdischen Künstlern aufgeführt wird. Es bereitet uns immer die größte Freude, zu sehen, mit welcher Liebe die Kinder an dem Theater hängen. Mit naiver Begeisterung haben sie das Theater in Besitz genommen; es ist „ihre Bühne", es sind „ihre Schauspieler". Und Liebe und Bereitschaft des jugendlichen Publikums lassen das Ensemble alle Schwierigkeiten freudig überwinden. Die Kinder kennen jeden Schauspieler, auch wenn er nur einmal gespielt hat, und vor jeder Vorstellung studieren sie eifrigst das Programm, um zu sehen, welche Rolle dieser oder jener Schauspieler diesmal darstellt. Nach der Vorstellung bedeutet es immer eine ziemliche Arbeit, eine Schar besonders begeisterter Autogrammsammler vom Bühneneingang fernzuhalten. Unter der verständnisvollen Leitung der Lehrerinnen und Lehrer setzen dann in der Schule die Diskussionen ein.