Pult und Bühne
- Journal
- Pult und Bühne
- Volume
- 1938
- Article
- Rudolf Schwarz: Vorsingen und Vorspielen
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4925979-10432411--097-4926055- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
RUDOLF SCHWÄRZ: VORSINGEN UND VORSPIELEN Jeder Künstler, ob Sänger oder Musiker, hat es unzählige Male mitgemacht; er könnte viel von den Sorgen erzählen, die jedes Mal vor und während des „Sich-hören-lassens" (und oft auch noch nachher!) auftreten. Aber die Einrichtung des Vorsingens und Vorspielens ist seit langem Selbstverständlichkeit und feststehende Notwendigkeit geworden, sie vermittelt die ersten und entscheidenden Eindrücke von den Fähigkeiten des Sängers oder Musikers, die sowohl für den Künstler wie auch für die Gesamtentwicklung des Theaters in vielen Fällen von ausschlaggebender Bedeutung sind. Man könnte zwei Arten von Vorsingen (Vorspielen) unterscheiden. Die eine erfolgt auf Grund von Engagementsabsichten, die andere dient rein informatorischen Zwecken der Theaterleitung. Entsteht im Theaterensemble eine Vakanz, werden die Bewerber aufgefordert, vorzusingen (vorzuspielen). Sind die Fähigkeiten des Künstlers für eine positive Beurteilung an und für sich ausreichend, so bleiben doch noch viele, durch ein Vorsingen (Vorspielen) allein nicht zu klärende Fragen offen, die für den Theaterleiter von wichtigster Bedeutung sind, z. B.: allgemein menschliche Qualitäten, Konstitution, Pflichtbewußtsein usw. Wie schwer eine Entscheidung allein in künstlerischer Hinsicht gefällt werden kann, geht daraus hervor, daß die Leistung des Sängers — um einmal beim Gesang zu bleiben — fast ausnahmslos beim Vorsingen nicht seinen wahren Fähigkeiten entspricht. Es ist Selbstverständlichkeit, voraus- 72