Pult und Bühne
- Journal
- Pult und Bühne
- Volume
- 1938
- Article
- Lutz Weltmann: Kritik und jüdisches Theater
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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DR. LUTZ WELTMANN: KRITIK UND JÜDISCHES THEATER Kritik und jüdisches Theater — ist das ein Problem und liegt das Problem anders als bei der Theaterkritik überhaupt. Es gibt schlechte Kritiker, also keine Kritiker, und gute Kritiker, das heißt: Kritiker. Sollte sich daran etwas geändert haben, da man nunmehr über Aufführungen des jüdischen Theaters zu schreiben hat? Es liegt nahe, diese Frage zu verneinen . . . und doch ist jüdische Theaterkritik heute voller Problematik und schwieriger als sie gegenüber den allgemeinen Aufgaben vor 1933 gewesen ist. Nicht geändert hat sich selbstverändlich die Voraussetzung einer umfassenden Allgemeinbildung literarischer kunstgeschichtlicher Art und eine Kenntnis des Theaters, die den Kritiker befähigt, den Platz vor dem Vorhang mit den Brettern hinter dem Vorhang zu vertauschen, oder zumindest ein längeres praktisches Studium in einem Theaterbetrieb. Dazu sind als Selbstverständlichkeit jüdische Gesinnung und Wissen vom Judentum hinzugekommen. Das ist aber so ungefähr alles, was sich gegen früher nicht geändert hat. Es kommt hinzu das natürliche Bestreben, das Kulturbundtheater zu erhalten und auszubauen. Das darf nun aber nicht auf Kosten der Maßstäbe gehen, daß man Aufführungen in den grünen Klee lobt und Superlative anwendet, wie man sie Reinhardt oder Brahm gegenüber nie gebraucht hat. Schon hier liegt der Hase im Pfeffer. Einerseits sind solche Aufführungen vom Kulturbund gar nicht zu verlangen, wie sie zur Brahm- und Reinhardt-Zeit möglich waren, 60