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Pult und Bühne · 1938-01-01 · 1938 · p. Seite 57

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Journal
Pult und Bühne
Volume
1938
Article
Hugo Adler (Mannheim): Der jüdische Komponist
Date
1938-01-01
Page
Seite 57 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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geprägt an der Unruhe der Zeit und manchmal in der Gedrängtheit seiner neuen Aufgabe. Er sieht, daß es kein Nichtverstehenwollen ist,sondern einNichtverstehenkönnen. Im Hebräischen haben wir dafür den schönen Ausdruck, „mipne kozer ruach", den der Erklärer Raschi übersetzt mit „dessen Seele sich verkleinert". In solcher Ausweglosigkeit trifft der Schaffende unseres Kreises den Kulturbund, seine planvolle Organisation, seine Menschen und seine ideellen Notwendigkeiten. Hier öffnet sich ihm die Arbeit zu einem Kreise als Gemeinschaftsidee und deren Aufgabe. Daraus kann dem Schaffenden neue Energie und schöpferische Kraft gegeben werden. Das ist aber auch der verpflichtende Teil der anderen Seite. Wir erinnern uns, wie im ersten Anlauf der Kulturbund eine gewisse Scheu vor dem und den Neuen zeigte. Man sollte diese Furcht in Kulturbundkreisen ganz ablegen; denn die Geschichte der Kunst zeigt sich allen neuen Namen nicht gleich wohlgeneigt. Neues ist überall schwer und gebraucht starke Menschen, um sich vorzustellen und durchzusetzen. Darin liegt auch die innere Verbindung der Schaffenden zum Kulturbund. Es gibt hier eine, ich möchte sagen, stilistische Notwendigkeit. Man denkt dabei gleich an eine früher so anrüchige Gebrauchskunst. Das findet sich aber bei den so sehr geschätzten alten Meistern durchweg und die besten der lebenden Musiker haben die Gattung der Gebrauchsmusik in den letzten Jahrzehnten wieder zu Ehren gebracht und gezeigt, daß man die Verhältnisse eines bestimmten Kreises zur Zielsetzung einer Arbeit wohl gebrauchen darf. So zeigen sich auch die Notwendigkeiten des Kulturbunds als stilistische Gegebenheiten im Schaffen unseres Kreises. Charakteristisch ist die Einfachheit in der Linienführung, die Durchsichtigkeit der Struktur und eine gewollte sparsame Rückbeziehung zum archaistischen, alten Stile. Ich denke an eines der neuesten Werke, an Guttmann's „Bereschith", das diese Vorzüge klar aufzeigt. Ich kenne auch überladene Partituren von Träumern und Schwärmern unserer Tage. Wenn man genauer hinsieht, ist es so wie in allen Epochen der Kunstgeschichte, mit viel Bombast sollen kleine Gedanken verdeckt werden. Dagegen steht aber nun einmal das Heute des Schaffenden und das Heute des Kulturbundes. Beides ist fast dasselbe, beides ist mindestens im Ziel das Gleiche und es sollte so sein, das Erkannte. Wir wissen ja gar nichts von den wirklichen Werten unserer Tage, unserer Zeit. Vielleicht ergibt sich gerade aus den Notwendigkeiten des Kulturbundes ein Kunstschaffen, das einmal von späteren Zeiten als Höhepunkte unserer Generation gewertet wird. 57

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