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Pult und Bühne · 1938-01-01 · 1938 · p. Seite 56

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Journal
Pult und Bühne
Volume
1938
Article
Hugo Adler (Mannheim): Der jüdische Komponist
Date
1938-01-01
Page
Seite 56 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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HUGO ADLER (Mannheim): DER JÜDISCHE KOMPONIST „Es gibt kein Stehen mehr, nur noch ein Getragenwerden." Das ist ein Satz aus einem Briefe von Franz Rosenzweig, der am treffendsten die Beziehungen zwischen schaffenden Menschen und Kulturbund zu kennzeichnen vermag. Man muß über das Organisatorische, das sich beim Kulturbund so sehr in den Vordergrund drängt, hinwegsehen können, um das Verbindende des inneren Wertes zu würdigen. Das vermag wohl am besten der künstlerisch schaffende Mensch, der die Erfahrungen vergangener Zeiten dabei in Betracht ziehen kann, auszusprechen. Wie fand der Schaffende früher seinen Kreis, seine Richtung? Meist schloß er sich einer jungen Schule an, lief geraume Zeit in ihren Rillen mit und nahm sich eine gewisse Handfertigkeit daraus, um seine Innerlichkeit zu erspürsn. Ob es gelang oder nicht, die Eigenart hatte ja keine Notwendigkeit in seinem eigenen Dasein, meist war sie nur in einer losen künstlerischen Geschichtlichkeit gegründet. Ich will nicht sagen, daß solch eine Einstellung irgendwie zu beklagen ist oder daß sie gar fehlerhaft zu nennen ist; nein, es muß ja mit einer nötigen Distanz zum Objektiven bei einem echten künstlerisch empfindenden Menschen einmal sein Eigenstes hervorkommen. Es kann durch ein Erlebnis sein, es kann von außen an ihn herangetragen werden, selten nur wird es ihm zur Aufgabe gestellt. Das ist aber die Situation heute, da der Schaffende nichts anderes am Publikum sieht und nichts anderes vom Publikum weiß als das Wollen des Kulturbundes, das ihn in seinen Kreis einschaltet und ihn veräußert. Gerade für den Musiker ist das ein Wesentliches. Denn Musik ist eine Zeitkunst. Sie gebraucht Zeit, um dargestellt zu werden, Zeit, um zu erscheinen, und noch viel mehr Zeit, um ihre Wirkung glücken zu lassen und zu erproben. Ja, Musik ist eine Zeitkunst. Unsere Menschen haben Reute Zeit: Vor allem keine Zeit, um künstlerische Probleme zu erproben. Anderenteils haben unsere Menschen zuviel von der Zeit, und dieses „Zuviel" hat eine besondere Denk- und Geschmacksrichtung angenommen. Musik bedeutet nicht mehr „Ausrichtung eines seelischen Gleichgewichts"; es wird ihr mindere Bedeutung zugesprochen. Der Künstler empfindet es doppelt scharf und aus- 56

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