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Pult und Bühne · 1938-01-01 · 1938 · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Pult und Bühne
Volume
1938
Article
Kurt Singer: Jüdischer Kulturbund in Deutschland
Date
1938-01-01
Page
Seite 5 (sequence 2)
Language
German
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die Sammlung der Menschen um uns, der Künstler bei uns, der Gefühle in uns gelungen. Das Gebot der Stunde glaubten wir erkannt zu haben: Juden aus der Lethargie herauszureißen, Juden zu ketten an die großen Menschen-Werte der internationalen Kunst, vorzubereiten die Unvorbereiteten auf jene Werke, die, aus der Welt östlicher, hebräischer, alljüdischer Gedanken stammend, einmal Besitz von uns ergreifen sollten. Zu den Namen Beer-Hofmann und Zweig traten führend die Namen Perez, Bialik, Bistritzky, Scholem Alejchem. Was 1935 möglich wurde, wäre 1933 der Anfang vom Ende gewesen — auf Kosten einer plötzlichen, also unfruchtbaren, ungläubigen Wandlung. Wir zogen aus Gesinnung, nicht aus Mangel an Gesinnung, den Koimpromiß einer radikalen Judifizierung des Spielplans, des Publikums, des künstlerischen Ensembles vor und fügten langsam, immer abwartend, immer werbend, dem Händel'schen Epos von der Geschichte jüdischer Helden, den Wortdramen jüdischer Inhalte (Judith, Esther, Uriel Acosta, König David) die Musik, das Drama jüdischer Autoren, schließlich das aus jüdischem Geist geborene Kunstwerk hinzu („Mischpat" von Bat Dori). Die Geschichte wird unseren Weg richten. Wir glaubten zu wissen, daß nicht Autor und Stoff, nicht Thema und Gesinnung, nicht Form und Gestaltung das Wesen einer spezifisch jüdischen Kunst ausmacht, sondern das in der Sprache verankerte Heimatgefühl. Eine jüdische Kunst in diesem strengen Sinn haben wir nur in der synagogalen Musik, dem chassidischen Volkslied, im ostjüdischen und hebräischen Theater. Jede Bearbeitung, jede Herübernahme in den neuen, uns gewohnten Sprachgeist, jede Veränderung durch harmonische, klangliche, instrumentale Zutat ist ein Kompromiß. Wir haben — so glaube ich — im Galuth die Fahne jüdischer Kunst in aller Demut, aber beharrlich hochgehalten, viel gelästert, viel belehrt; wir haben unsere Tradition der Bindung an internationales Gedanken- und Erlebensgut nicht verloren, viel gelobt, seltener geschmäht; wir haben, ohne konstruktiven Plan, ohne neue jüdische Dramaturgie der unentwegt draufgängerischen Desperados unseren Weg der Mitte mit gutem Gewissen, reinem Glauben, höchstem Vertrauen auf die Bereitschaft der Juden in Deutschland, der Künstler in unseren Reihen beschritten;; wir haben mit jüdischem Herzblut die Adern aller Kunstkörper, die wir verstehen und analysieren zu können glaubten, erfüllt, in jeder Geste, jedem Atem, jedem musikantischen Ton, jedem szenischen Einfall, jeder Empfindung von Leid und Freude, jedem Lachen, jeder Träne. Wir sind Juden geblieben im Spiel, in der leidenschaftlichen Arbeit unserer eigenen Kultur, in der Kultur unserer eigenen organisatorischen, sammelnden, Gemeinschaft bildenden, Gesellschaft formenden Arbeit. Das ist uns — bei allen Fehlern 5

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