Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 12 (12.1911)
- Date
- 1911-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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256 No. 12 der Turnbetrieb als solcher von diesen Veranstaltungen Nutzen. Denn wenn man am Turnboden liebe Bekannte findet, geht man viel lieber und freudiger turnen, als wenn die Turnbrüder einem mehr oder weniger doch fremd sind. Arthur Hirsch-Fonds. Alle Geldsendungen sind zu richten an die Adresse: Dr. Zirker, Berlin, Alexahderstr. 38a. Diverse Strafgelder...........................Mk. 1,70- Richard Petzall . :..............................10,— Sammlungen durch Katzky........................„ 1,75 Verlorene Wette von Frl. Reg. Pasmantier an Frl. Danziger........■ ■ ■ ,, 1,— Hk. 14,45 bisher ausgewiesen „ 409,16 dazu Barbestand des bisherigen Bar Kochba-Fonds „ 407,40 _ ergiebt zusammen Mk. 831,01^ Bücherschau. „Die Juden der Gegenwart." Dr. Arthur Ruppin*). Das durchweg klar, wissenschaftlich und ehrlich geschriebene Werk behandelt die Judenfrage im Sinne von Sein oder Nichtsein. Hohes Lob gebührt dem Verfasser dafür, daß er, Phrasen und Sentimentalitäten vermeidend, mit scharfem Blick die gegenwärtige Lage Israels in der ganzen Welt beleuchtet, in die Vergangenheit hinabtaucht, um die Verbindung mit dem Jetzt herzustellen, und dann, auf der wissenschaftlich sicheren oder mindestens sehr wahrscheinlichen Basis weiterbauend, Ausblicke in die Zukunft gewährt. Der erste Teil des Buches lehrt uns, wie die Juden — ursprünglich isoliert und in ihren wissenschaftlichen Interessen den Christen entgegengesetzt — in dem kapitalistisch gewordenen 19. Jahrhundert sich in ökonomischer Interessengemeinschaft mit der christlichen Bevölkerung befinden. Infolgedessen wurde das Streben nach möglichst völliger Assimilation wachgerufen, ein Streben, das durch die bei den Juden abnehmende Geburtenziffer, die Auswanderung nach Amerika und den Zug in die nivellierenden Großstädte wesentlich gefördert wird. Alles dies wird in wissenschaftlicher Weise und mit genauen Daten oder vorsichtigen Schätzungen belegt. Die Aneignung der Landessprachen und modernen Bildung, die Abkehr von Jüdischer Religion und Ueberlieferung fuhren stufenweise zur Assimilation, die schließlich durch Mischehe und Taufe vollendet wird. Die wirtschaftlichen Verhältnisse machen diesen Prozeß zu einem unaufhaltsamen; er muß zur Dezimierung und letzten Endes zur Vernichtung des Jüdischen Stammes führen. Aber es gibt noch eine Rettungsmöglichkeit, nämlich das Erstarken des jüdischen Nationalismus. Hiervon handelt der systematisch in sich geschlossene zweite Teil des Buches. Der hohe Rassenwert und Kulturwert der Juden gibt ihnen das Anrecht auf eine Existenz als Sondervolk. Wenn es — räumlich konzentriert — zur Landwirtschaft zurückkehrt und das Hebräische als Nationalsprache wieder annimmt, sind nach der begründet erscheinenden Ansicht des Verfassers die Voraussetzungen für die Weiterexistenz unseres Volkes gegeben. Diese territorialen, agrikulturellen und nationalen Tendenzen verfolgt der Zionismus. Der Zionismus ist deshalb der einzige Rettungsweg. Das Werk, das sich schon in seiner ersten Auflage durch die Einführung streng wissenschaftlich-statistischer Methode auszeichnete, ist so belehrend und anregend geschrieben, daß seine Lektüre jedem denkenden Juden auf das wärmste empfohlen werden kann. H. J. •) Dr. Arthur Ruppin: „Die Juden der Gegenwarf. Eine sozial wissenschaftliche Studie- Zweite, vollständig neu bearbeitete Auflage. 318 Sellen. Preis brosch. .Mk. 5.—, gebd. Mk. o<— Berlin 1911. Jadischer Verlag.