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Jüdische Turnzeitung · 1911-12-01 · 12 (12.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
12 (12.1911)
Date
1911-12-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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No. 12 255 Schauturnen — das erste der jüdischen Turner in Sarajewo — und Ball. Die Festrede hielt Grandrabbiner Dr. Ehrenpreis aus Sofia. J. T. V. Stettin. In einer gut besuchten Propaganda-Versammlung des J. T.V. sprach Herr Dr. Zade-Stettin über „Die Bedeutung des Turnens für Körper und Geist". Ausgehend von der Körperkultur im Altertum zeigte er uns, daß schon die alten Juden nach dem Muster der Hellenen gymnastische Uebungen trieben und sich vielfach auszeichneten. Im Mittelalter hörte unter den Bedrückungen jede Leibesübung der Juden auf, die jüdische Rasse ging geistig und körperlich zurück. So war denn die Gründung jüdischer Turnvereine eine Rettung in der Not. Der Referent forderte dazu auf, durch Beteiligung am Turnen an der Regeneration des Judentums mitzuarbeiten. Reicher Beifall lohnte Herrn Dr. Zade für seine interessanten Ausführungen. In der Diskussion betonte Herr Referendar Greifenhagen, daß man in Turnvereinen Disziplin lerne, die besonders für uns Juden sehr wichtig sei. Er wies auf den sportlichen Ehrgeiz hin und forderte die jüdischen Turner auf, durch Wetteifer sich anzuspornen und zu zeigen, daß wir uns nicht nur durch unseren Geist, sondern auch durch unsere Faust verteidigen können. Anschließend fand ein Kommers statt, der sehr angeregt verlief. Kleinere Vorträge hielten die Teilnehmer lange zusammen. Unser Verein kann mit dem Erfolg des Abends zufrieden sein. T. Tomaschow, Gouv. Petrokow (Russisch-Polen). Dank dem Entgegenkommen unserer Behörde, den Bemühungen der Herren Izydor Landau, M. Schönberg u. v. a., haben wir hier den ersten im Lande legalisierten jüdischen Turnverein erhalten. Ständiger Sitz des Vereins ist der jüdische Schulhofgarten, in dem wir auch eine komplette Turneinrichtung fürs Freie vorfanden und den Sommer über benutzten. Jetzt sammeln wir Gelder zum Bau einer eigenen Halle, für welche wir schon einen sehr schönen, bestätigten Bauplan haben, dessen Kosten inkl. innerer Einrichtung vier- bis fünftausend Rubel betragen werden. Den bisherigen Spenden nach hoffen wir den Betrag bis zum Frühling zusammenbringen und auch dann mit dem Bau beginnen zu können. Bis jetzt sind wir zirka 40 aktive und über 30 passive Mitglieder, doch hoffen wir nach Fertigstellung der Halle auf eine viel größere Zahl und Einrichtung einer Mädchen und Knaben-Riege, denn wer die körperlichen Mängel und Unentwickeltheiten bei uns sieht und sehen will, weiß von welch großem Segen unser Verein sein ka.nn. Die Verwaltung besteht aus den Herren: S. Königsberg, Izydor Landau, M. Schönberg, Jul. Süßmann und Samuel Steinmann. (Wir wünschen dem jungen Verein ein kräftiges Gedeihen! D. Red.) Wien. J.T.V. Favoriten. Am Sonntag, den 12. November, veranstaltete unsere Damenriege in dem Turnsaal (Bravo! d. Red.) einen Teeabend, der einen sehr gelungenen Verlauf nahm und von den Turnern und deren Angehörigen zahlreich besucht wurde. Die von den Damen zubereiteten Bäckereien mundeten allen vortrefflich und überzeugten so alle, daß unsere Damen über das Turnen, das ja von den Gegnern u. a. auch als ^.unweiblich" bezeichnet wird, ihre „weiblichen" Angelegenheiten nicht ver- Kessen oder verlernen. Für die Unterhaltung der Gäste war durch Vorträge, Juxbazar usw. aufs beste gesorgt. Den Schluß des Teeabends bildete natürlich ein improvisiertes Tanzkränzchen, das die tanzfrohe Jugend erst zu später Stunde In der angeregtesten Stimmung entließ. Die Veranstaltung hatte auch einen namhaften materiellen Erfolg aufzuweisen, der für uns gewiß nicht zu verachten ist. Aber noch höher ist der moralische Erfolg zu veranschlagen. Denn solche kleinen Veranstaltungen und geselligen Zusammenkünfte bringen die Mitglieder einander näher, machen Außenstehende auf unseren Verein und unsere Bestrebungen aufmerksam und so hat auch

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