Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 11 (11.1911)
- Date
- 1911-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 11 233 - Konstantinopel. J.T.V. „Makkabl". (Turnfest.) Am Nachmittag des 15. Oktober versammelten sich sämtliche Sektionen: Pera, Hasköj, Balat und Ortaköj auf dem Turnhofe in Pera. Ungefähr 250 aktive Turner waren zur Stelle. Gemeinsam marschierte man zur Brücke und setzte über den Bosporus nach Ha'idar-Pascha hinüber, von wo der Marsch nach Kurbali- Dere fortgesetzt wurde. Die Sektion Kusgundschuk mit weiteren 60 aktiven Turnern war über Skutari direkt dorthin gewandert. Auf der großen Wiese, die in Blumenschmuck und Rasengrün prangte wie im herrlichsten Frühling, fand die Begegnung statt, der ein gemeinsamer Aufmarsch folgte. Danach wurde zu den Freiübungen angetreten. Es war ein wunderbarer Anblick, als alles wie mit einem Schlage die Straßenkostüme abwarf, und die 300 Jugendlichen Turner in weißen Hosen und Flanells mit dem blaugestickten Magen David, das die Inschrift „Makkabi" trägt, umgürtet von roten Binden auf der Wiese standen. Der Turnwart der Pera-Abteilung, der Sepharadi Jacques Barzilai, führte die verschiedenen Uebungen vor. Hierauf formierten sich die Turner zu einem großen Kreise, in dessen Mitte Herr Turnlehrer Julius Hirsch eine Ansprache in französischer Sprache hielt. Er sprach in bewegten Worten seinen Dank aus für die herzliche Liebe, die ihm in Konstantinopel die ganzen zwei Jahre hindurch entgegengebracht worden war, erteilte Ratschläge für die Zukunft an die Turner und besonders an die Vorturner und Turnwarte, schilderte die unendlichen Schwierigkeiten, die sich dem Auflblühen des „Makkabi" entgegengestellt und feuerte die wackere nationale Jugend an, treu und tapfer weiter für die hohen Ideale des „Makkabi" zu kämpfen. Nachdem er geendet hatte, nahm der Präsident des Zentralvorstandes, Herr Abramowitsch, seinen Platz ein. Er rühmte die großen Verdienste, die der Scheidende sich erworben habe und überreichte ihm eine große goldene Medaille mit hebräischer Inschrift. Es folgen dann die Leiter der einzelnen Sektionen, die alle Worte des innigsten Dankes für die große Arbeit des Herrn Hirsch fanden und ihm wertvolle Andenken überreichten. Außerdem hielten Herr Kretschmar, Redakteur des „Hamewasser", in Hebräisch und Herr Naftali Behar, Ex-Sekretär des Rustschuker makkabistischen Zentralkomitees, in Spaniolisch Ansprachen an die Turner. Fräul. Biwas, die Leiterin der Damenabteilung zu Balat, sprach für ihre Qruppe Worte des Abschieds. Zum Schlüsse hielt Turnwart Barzilai eine patriotische Ansprache an die zukünftigen jüdischen Rekruten. Er wünschte den Truppen >n l'ripolis vollen Waffenerfolg und endete mit dem Ausrufe, es möge den Makkabisten, die darauf brennen, für das Vaterland ihre Pflicht zu tun, bald beschert sein, die heldenhaften Kämpfer von Tripolis abzulösen. Die jugendliche Begeisterung hatte nun ihren Höhepunkt erreicht. Herr Hirsch wurde von kräftigen Armen emporgehoben und im Triumph umhergetragen. Darauf formierte sich wieder der Zug und eine ungeheure Menschenmenge begleitete 'hn zum Hafen. Vor dem Abmärsche sang man den vaterländischen Marsch »Watan" und die „Hatikwah". Weiterhin marschierte jedoch alles durch die Straßen in tiefster Ruhe, da man mit Rücksicht auf die politische Situation lärmende Demonstrationen vermeiden wollte. Die Abreise des Herrn Hirsch am folgenden Montag rief eine große bewegte Schar auf dem Bahnhof zusammen. Es war eine sehr schwere Trennung. Betfallsalven und Schalomrufe hallten hinter dem Zuge drein, der den Braven nach Berlin entführte. Für den „Makkabi" geht mit den zwei Jahren der Tätigkeit des Herrn Hirsch eine große Zeit des Sturmes und Dranges zu Ende. Jahre des Ausbaues müssen folgen. Der Verein hat seine Dispositionen dahin getroffen, daß künftig zwei Turnlehrer das Werk des Abgereisten fortführen sollen. Der eine derselben wird dieser Tage hier erwartet.