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Jüdische Turnzeitung · 1911-11-01 · 11 (11.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
11 (11.1911)
Date
1911-11-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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232 No. 11 Charlottenbure. J.T.V. Wir veranstalten am Mittwoch, den 6. Dezember einen Propagandaturnabend in unserer Turnhalle, Joachimsthaler Straße 32. Nach dem Turnen Vortrag des Herrn Henry Unna über „Grundlagen der jüdischen Turnbewegung". Lokal: Augsburger Straße 33. Indem wir auf das vollzählige Erscheinen unserer Mitglieder rechnen, bitten wir, recht viele Junge Leute an diesem Abend einzuführen. Adressen für Einladungen sende man an Zahnarzt Henry Unna, Berlin W. 35, Körnerstraße 18 II. Iglau. J. T. u. Sp. V. Frühling, Sommer und auch die jetzigen Herbstmonate standen für unsern Verein im Zeichen der erfolgreichen Arbeit. Wir leiden aber noch sehr unter der Mißgunst der herrschenden Clique. So hat die hiesige israelitische Kultusgemeinde, welche selbstlos den „Deutschen Schulverein" unterstützt, unser Subventionsgesuch im Bewußtsein ihres Deutschtums abgewiesen. Ein solcher Akt konnte uns wohl anfänglich verblüffen, bringt uns jedoch nicht aus der Ruhe, und wenn wir auch heute noch nicht durch turnerische Leistungen die Aufmerksamkeit weiterer Kreise unserer Volksgenossen auf uns lenken können, so trachten wir doch durch gesellschaftliche Veranstaltungen, Vorträge, unsere Position zu festigen. Wir finden hierzu die tatkräftigste Unterstützung des hiesigen Jüdischen Volksvereins Theodor Herzl und der Jüd.-akadem. Verbindung „Hasmonäa". Unser Vortragszyklus fand seinen Abschluß durch einen beifällig aufgenommenen Vortrag Karl Längs: „Heinrich Heine, ein Jude". Dann veranstalteten wir einige Damenkneipen. Eine Turnfahrt führte uns in die altehrwürdigen Judengemeinden Trisch und Battelau. Im August fand auch die feierliche Eröffnung unserer Turnhalle statt, wenn man unser bescheidenes Turnlokal, das wir noch mit der „Hasmonäa" teilen, so heißen darf. Dr. Werner und Richard Weißenstein hielten die Eröffnungsreden, aufmunternd, trotz der Schwierigkeiten nicht zu verzagen, unermüdlich zu arbeiten und zu kämpfen. Nachdem wir nun ein eigenes Lokal hatten und nicht mehr auf Gastfreundschaft angewiesen waren, konnten wir mit einem geregelten Turnbetrieb beginnen. Am Montag und Mittwoch turnt die Damenriege, am Dienstag und Donnerstag die Herrenriege. Die Beteiligung dürfte, wenn sie auch bis nun schwächer war, im Winter zahlreicher werden. Am 15. Oktober ging auch unser lang gehegter Wunsch, mit einer großen Veranstaltung an die Oeffentlichkeit treten zu können, in Erfüllung. Leider mußten wir wegen der kurzen Zeit, die uns für die Vorbereitungen zur Verfügung stand, auf turnerische Vorführungen verzichten, nichtsdestoweniger war unsere Simchat-Thora-Feier ein sehr gelungenes Rest. Dr. Werner hielt eine temperamentvolle Begrüßungsrede, Karl Lang die Festrede; hierauf folgten rezitatorische und gesangliche Produktionen von Mitgliedern des Iglauer Stadttheaters. Nach einer kurzen Pause trat der Tanz in sein Recht. Wir konnten mit unserem Erfolge sehr zufrieden sein. Darob gebührt unserem lieben Ehrenmitglied A. H. Reich, der eigens aus Wien nach Iglau gekommen war, um die Vorarbeiten für unser Fest einzuleiten, dann unserem unermüdlichen Dr. Werner, der Komiteeobmann war, weiter dem gesamten Damenkomitee, besonders FräuU B. Kohn, herzlicher Dank. Am 28. Oktober fand noch ein Komiteeabend statt, den Vorträge einleiteten und Tanz schloß. Hiermit wäre auch die Tä*i2' keit der Jetzigen Vereinsleitung beschrieben, und die in den nächsten «ocnen stattfindende Plenarversammlung hat nun zu entscheiden, ob die Tätigkeit eine fruchtbringende gewesen ist. Allenfalls aber werden sich die herrschenden Assimilanten bewußt geworden sein, daß jene Idee, die ein so kleines Häuflein mit einer solchen Energie beseelt, Daseinsberechtigung haben muB. K«

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