Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 10 (10.1911)
- Date
- 1911-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4921092-5965121-5965329--3117-4925911- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
208 No. 10 Wien. J. T. V. Favoriten. Generalversammlungsbericht des Turnleiters cand. med. Adolf Taglicht über das abgelaufene Vereinsjahr 1910/11. Liebe Tuinbrüder und Turnschwestern! Die Ihnen vorliegende Tabelle versinnbildlicht Ihnen die Daten, über die ich im Verlaufe meiner Ausführungen zu berichten haben werde. Am 3. September 1910 wurde der geregelte Turnbetrieb in dem uns von dem czechischen Turnverein Sokol X mietweise zur Verfügung gestellten Turnlokal X, Senefeldergasse 15, mit einer Riege von 11 Mann eröffnet. Tags darauf fand das erste Turnen der Damen- Abteilung mit 9 Turnerinnen statt. Dieser Turnsaal besaß, im Keller gelegen, alle Nachteile eines Kellerlokales, dumpfig und lichtlos, nicht breit genug, um drei Turnern bei den Freiübungen nebeneinander Raum zu gewähren, niedrig und klein. Dabei mußten wir noch einen Teil des Saales als „Garderobe" benützen. An Qeräten fanden sich anfangs nur vor: ein fast unbrauchbares Reck, ein Pferd, zwei Kletterstangen und eine Leiter. Trotz dieser ungünstigen Verhältnisse weist der September in der Herren-Abteilung einen Turnbesuch von 85 Mann auf. Die Kurve sinkt im Oktober auf 66. Schuld daran trägt der durch jüdische Feiertage verursachte Verlust von drei Turnabenden. Durchschnittsbesuch pro Abend (6 Abende): 11. Es. steigt nun die Kurve im November auf 93; Durchschnittszahl (8 Abende): 11 bis 12 und weiter im Dezember auf 105; Durchschnitt (8 Abende): 13 bis 14. Im Januar beginnen sich endlich die Mängel des Saales fühlbar zu machen und äußern sich in einenr Herabsinken der Besuchsziffer auf 90 (9 Abende), Durchschnitt 10. Der Februar endlich bringt uns den ersehnten neuen Turnsaal. Nach monatelangem Suchen war es dem Turnrate gelungen, einen Saal ausfindig zu machen, der unseren Zwecken so ziemlich entsprach. Er hat vor allem den Vorzug, kein Kellerlokal zu sein, besitzt, wenn auch etwas beschränkte, Nebenräumlichkeiten für Qarderobe, Zuschauer und Turnleiter. Durch das Entgegenkommen der Turngerätefabrik Kölbl waren wir in der Lage, recht gute Geräte anschaffen zu können. Am 12. Februar 1911 fand die letzte Turnstunde im alten Lokale statt. Am 19. Februar wurde der neue Turnsaal mit einem feierlichen Anturnen eröffnet, an dem auch die ersten Riegen des I. Wiener Jüdischen Turnvereins, des J. T. V. Fünfhaus und Ottakring teilnahmen. Was wir vom neuen Turnsaale erwartet hatten, traf ein. Wie Sie aus der Tabelle ersehen, schnellt die Kurve im Februar plötzlich in die Höhe: An 6 Abenden 101 Turner, Durchschnittsbesuch 16 bis 17 pro Abend; März 261 Turner an 9 Abenden, Durchschnitt 29. Im April sinkt durch den Entfall von Turnstunden (Passahfest) die absolute Besuchsziffer auf 222 (7 Abende), der durchschnittliche Turnbesuch aber ist auf 31 bis 32 pro Abend gestiegen. Mit Mai: 239 Turner an 9 Abenden, endet das Berichtsjahr. Das Sinken der durchschnittlichen Besuchsziffer auf 26 pro Abend in diesem Monate wurde durch die Oedipus-Aufführungen verschuldet, die eine Anzahl Mitglieder infolge „künstlerischer Betätigung" dem Turnen entzog. In der Damenabteilung, die in dem alten Lokale nur einmal wöchentlich turnte, beginnt der Turnbesuch mit 45 (11 bis 12)*) im September, steift * im Oktober auf 80 (16) und flaut im November auf 29 (7) ab, durch die Teilnahme .unserer Turnerinnen an den meistens auf Samstagabende entfallenen zionistischen Veranstaltungen. Vom Dezember: 53 (14) steigt die Besucnskurve stetig: 72 (12) im Januar, 93 (18) im Februar, 142 (15—16) im Marz- Wie in der Herrenabteilung, bringen im April die jüdischen Feiertage ein Sinken der absoluten Besucht-ziffer: 112, während die Ziffer des durchschnitt- •) Die eingeklammerten Ziffern bedeuten den durchschnittlichen Turnbesuch pro Abend.