Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 10 (10.1911)
- Date
- 1911-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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196 No. 10 aber auch die schädliche Wirkung von Ueberanstrengung, von allzugroßer Einseitigkeit beim Sport, insbesondere auf das Herz, wurde dargestellt. Interessant war eine Tafel mit einer Darstellung, welche Leibesübungen für Knaben und Mädchen in den verschiedenen Lebensaltern passend seien; es war daraus zu entnehmen, daß Knaben z. B. schon von frühester Jugend an leichte Turnübungen machen, dagegen nicht vor 9 Jahren schwimmen und vor 15 Jahren rudern sollen. Andere Tafeln zeigten, daß die körperlich am besten entwickelten Kinder in der Regel auch geistig die hervorragendsten sind, wie überhaupt die ganze Ausstellung den Beweis von Richtigkeit des Satzes mens sana in corpore sano: ein gesunder Geist nur in einem gesunden Körper erbrachte. Die Frage zu stellen, was wichtiger sei: Körperpflege oder Geistespflege, ist müßig; beides ist zu pflegen, aber ohne Uebertreibung nach einer Seite hin, weder nach der geistigen, wie wir Juden es leider noch immer tun, noch nach der körperlichen; auch davor kann uns die Ausstellung als ein hervorragendes Produkt des menschlichen Geistes bewahren. In der Halle für Turne« und Sport sah man eine Ausstellung der Sport- und der Sportbekleidungs-Industrie; Sportgeräte jeder Art und Turngeräte: Recks. Barren, Böcke usw., alles so konstruiert, daß sie ein Minimum an Zeit für die Aufstellung erfordern, alles so blitzblank und sauber, daß man Lust bekommen konnte, sich an diesen Geräten zu versuchen. Daran schloß sich eine Ausstellung der deutschen Sportverbände, die Tabellen über Entwicklung der einzelnen Vereine, Bilder und Modelle ihrer Klubhäuser und Sportplätze und die gewonnenen Ehrenpreise ausstellten; selbst die Angler- und Luftschiffahrtsvereine fehlten nicht; über dem Eingang war das Kolossalgemälde des Dänen Matthissen „Die Meerreiter", ein prächtiger Auftakt zur erwähnten Ausstellung. Auch die Deutsche Turnerschaft bot eine Sonderausstellung, Uber die ein Sonderkatalog genaue Auskunft gab. In wunderhübsch ausgestatteten Räumen mit einem Jahndenkmal und einigen Büsten geschmückt, die Wände mit Kernsprüchen über den Wert des Turnens geziert, und einer Musterturnhalle, zeigte sie Abbildungen von Turnübungen, Bilder, Pläne und Modelle von Turnhallen und Turnplätzen, Turn- und Spielgeräte, Turnkleidung, Turnliteratur und graphische Darstellungen: Statistiken über die Entwicklung ihrer Vereine, über die Turnverbände europäischer Länder im Verhältnis zur Bevölkerungszahl und anderes. Besonders interessant war ein „Giebelfeld zum Tempel deutscher Leibesübungen"; hier waren auf einer dreieckigen Tafel die einzelnen im Deutschen Reiche Leibesübungen treibenden Verbände ■durch bunte Figuren dargestellt: in der Mitte kraftvoll die Deutsche Turnerschaft mit fast 950000 Mitgliedern, daneben der Bergsport mit 300000 Mitgliedern, der Arbeiter-Turnverband mit 145 000 Mitgliedern; ganz rechts am Ende wird die Jüdische Turnerschaft mit 3800 Mitgliedern leider nur erst durch ein kleines Männchen repräsentiert; links entsprechen ihr die Fechter mit 5000 Mitgliedern. Durch diese Tafel, wie auch durch die unter den Turnzeitungen ausgestellte „Jüdische Turnzeituiig" bekam wenigstens, wenn auch leider nicht durch uns selbst, das große Publikum von unserer Arbeit Kenntnis; es ist gut, daß mau keine vergleichende Statistik aufgestellt hat darüber, wieviel Jüdische junge Leute im Verhältnis zu den nichtjüdischen turnen; ich glaube, diese Statistik würe nicht zu unserem Vorteil ausgefallen- Aus einer anderen erwähnten Tafel war zu ersehen, daß in der Schweiz un