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Jüdische Turnzeitung · 1911-10-01 · 10 (10.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
10 (10.1911)
Date
1911-10-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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No. 10 geführt und die Richtlinien gegeben. An den mehr oder weniger berufenen Führern der deutschen Judenheit ist es nunmehr, die Konsequenzen zu ziehen und zu handeln. Ob sie den Ruf der Zeit verstehen, ob sie den Ernst der Sachlage erkennen und — entgegen allen bisher gehegten kleinlichen Vorurteilen und Bedenken — den einzig richtigen Weg, den der Nationalisierung des deutschen Judentums finden werden? Wir können nur hoffen und mahnen: Videant consules . . .! Die internationale Hygiene-Ausstellung Dresden 1911. Von Dr. Albert Ba er- Stettin. Die Dresdener Hygiene-Ausstellung war eine Tat. Tausenden ist in diesem Sommer in Dresden zum Bewußtsein gebracht worden, daß die Gesundheit das höchste Out des Menschen ist; Tausende haben gelernt, was der Mensch tun kann und muß, um sich die Qesundheit zu erhalten und darüber hinaus, um den gesunden Körper zu kräftigen und in jeder Beziehung auszubilden; sie haben Einsicht genommen in die mannigfaltigen Unternehmungen des Staates und größerer Verbände auf dem Gebiete der Qesundheitslehre. In Dresden galt es jiicht allein zu sehen und zu staunen, wie sonst auf Ausstellungen, objektive, außerhalb des betrachtenden Menschen liegende Dinge mit der Freude des Kulturmenschen an der technischen Kultur neu kennen zu lernen; die Dresdener Ausstellung gab jedem für die eigene Person etwas und etwas sehr wichtiges: die Lehre von der Qesundheit, der Grundlage alles menschlichen Qlücks. Vom hohen Aussichtsturm der Ausstellung bot sich Uber das Ausstellungsgelände ein prächtiger Blick dar; aus dem Qrün der Bäume des königlichen Gartens ragte das schimmernde Weiß der Ausstellungshallen hervor; weiter im Umkreis das schöne Stadtbild von Dresden und die Berge der sächsischen Schweiz. Auf dem Ausstellungsgelände selbst, insbesondere vor dem Hauptrestaurant, flutete ein starker Menschenstrom auf und ab; ebenso in der „rue des nations", der Herkulesallee, wo die Pavillons der ausländischen Mächte standen, die bei der Verschiedenheit des Stils (z. B. chinesische Pagode, russisches Schloß, schweizerisches Blockhaus usw.), des Tags über ein prachtvoll buntes Bild boten, während abends die Allee, durch tausende von elektrischen Flammen beleuchtet, wie ein Märchenbild anmutete. Auch in den zahlreichen Vergnügungsetablissements und Restaurants herrschte den ganzen Tag Uber ein reges Leben. Die Einleitung zu dem großen „Lehrbuch der Qesundheitslehre", das die Ausstellung darstellte, gab die historische Abteilung, in der die Entwicklung und Qeschichte der Hygiene vorgeführt wurde; bei der großen Fülle der ausgestellten Gegenstände könnte man über jeden Zeitabschnitt, ja fast über jeden Raum fast einen Artikel schreiben. Von den hygienischen Einrichtungen der prähistorischen Zeit an, wurden uns alle Zeiten: die Kulturen arn Euphrat und Tigris, Palästina, Aegypten, die hochentwickelte Hygiene des klassischen Altertums, der Niedergang der Hygiene im deutschen Mittelalter und der allmähliche Aufstieg in der Neuzeit vorgeführt; eine ethnologische Abteilung zeigte uns die Sitten und Gebräuche der afrikanischen, asiatischen

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