Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 8/9 (8.1911)
- Date
- 1911-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 8/9 181 Sport. Bin Besuch bei der Sportabteilung des J. T.V. „Bar Kochba", Berlin. Auf der Durchreise hatte ich mich kurze Zeit in Berlin aufgehalten. Es war Sonntag, und ich ergriff mit Freude die Gelegenheit, die Sportabteilung des „Bar Kochba" auf ihrem Sportplatze in Schulzendorf zu besuchen, schon um den sonnendurchglühten Großstadtstraßen zu entrinnen. Gleich bei der Ankunft am Bahnhof weht die blauweiße Flagge mit dem Davidsstern einen freundlichen Gruß vom hohen Mast herüber und weist uns den Weg zum Platz. Der Platz selbst ist idyllisch gelegen. An drei Seiten von Wald umgeben, grenzt er mit der vierten an den Spielplatz des Vereins für Volkssport. Vor drei Monaten war der jetzt freie und ebene Platz noch mit Büschen und Sträuchern bedeckt, doch haben die Bar Kochbaner, wie mir erzählt wurde, selbst gejätet und gerodet, eigenhändig die Umfriedung hergestellt, den Brunnen gegraben und die Laufbahnplaniert. Jeder andere Verbandsverein muß die Berliner um den schönen Platz und das herrliche Sonntagsvergnügen beneiden. Es kann gerade für den Großstädter nichts Nützlicheres und nichts Angenehmeres geben, als das, was der Berliner „Bar Kochba" hier seinen Mitgliedern bietet: wenigstens einmal in der Woche die staubige Großstadtluft mit reiner Waldluft und die geschäftige Hast der Bureaux mit der ruhigen Eile des Sporttreibenden zu vertauschen. Ich als Fremder kann allen Berlinern raten, sich an den Spielen zu beteiligen, oder wenn sie schon das nicht wollen, wenigstens zuzusehen. Denn auch um die Spiele muß jeder andere Verein unsere Berliner Freunde beneiden. Es muß für jeden, dem die Regeneration unseres Volkes am Herzen liegt, eine Freude sein, solche Juden zu beobachten. Braungebrannt und wetterfest, mit Muskeln und Sehnen wie aus Stahl repräsentieren sie den Typ des modernen, gesunden Juden. Der Stafettenlauf, das Faustballspiel und der Barlaufwettkampf mit dem benachbarten Volkssportverein zeigten die Leistungsfähigkeit der Mannschäften. Für einen Verein ist es nicht wenig, was hier Leichtathletik treibt. <m Verhältnis zur jüdschen Bevölkerung Berlins ist es eine sehr kleine Schar. Die prachtvolle Lage des Platzes und der angenehme Aufenthalt auf demselben ist geeignet, dieses Verhältnis bald angemessen zu stellen. Ich wünsche das für Berlin, und wünsche ferner, daß bald möglichst viele andere Verbandsvereine dem Beispiel der Berliner folgen. R., Hamburg. Berlin. Die Sport-Abteilung des Bar Kochba hatte fiii Sonntag, den 30. Juli, zu ihrem ersten internen Meeting auf dem Sport- und Spielplatz Schulzendorf eingeladen. Der Versuch, mit einem Meeting voi die Oeffentlichkeit zu treten, darf als vollkommen gelungen bezeichnet werden. Wohl waren die einzelnen Leistungen keine glänzenden, aber sie Waren viel versprechende Anfänge, gingen oft darüber hinaus und gaben den Beweis, daß unsere Mannschaften nirgends hinter denen anderer Vereine zurückstehen. Die Leitung der Abteilung hatte flir genügende Propaganda gesorgt. A|s sich die ersten Gäste am frühen Nachmittag in Schulzendorf einfanden. Prankte der Platz im sommerlichen Schmuck, stolz wehten die blauweißen Piaegen den Ankommenden entgegen und verkündeten ihnen, daß hier ab-