Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 7 (7.1911)
- Date
- 1911-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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144 No. 7 um die Kaffeezeit wird die Heimfahrt angetreten. Neugestärkt für die Arbeit der Woche und um eine Menge neuer Eindrücke bereichert, kommen die Ruderer nach Hause zurück. Neben den sonntäglichen Tagesfahrten finden jeden Dienstag und Donnerstag, von l/o8—10 Uhr, Uebungsabende im Bootshause Niederschöneweide, Berliner Straße 97/98, statt, an denen Qäste Gelegenheit haben, sich des näheren über den Klub zu orientieren. E. H. Etwas über den Wert der Spiele im Freien. Von Mi n aHolstein - Cöln, Staatlich geprüfte Turn- und Schwimmlehrerin. Es ist statistisch festgestellt, daß die Einwohnerzahl der Großstädte von Jahr zu Jahr zunimmt. Die Stadtväter sind sich auch ihrer wachsenden Flüchten voll bewußt. Kein Mittel zur Hebung der Volksgesundheit wird außer acht gelassen. So verdanken wir ihrer Fürsorge gesundes Wasser, luftige Wohnungen, öffentliche Anlagen, idyllische Erholungsheime, sogar «anze Kolonien erstehen vor unserem Auge". Aber was nützt uns dieses allein! Setzt sich doch die ganze Menschheit aus einzelnen Personen zusammen; bilden wir doch erst, Stein an Stein gefügt, eine einzige große Kette im unerschöpflichen Weltall. Deshalb ist es Pflicht eines jeden Erdenbürgers, auf Gesundheit und Kräftigung des Körpers in reichhaltigem Maße Oewicht zu legen. Zwar ist das zehnstündige Schaffen in dumpfen Werkstätten, das Hinbrüten in geschlossenen Büroräumen und das lange, anhaltende Sitzen bei den Büchern nicht dazu angetan, den Menschen gesunde, rote Wangen zu verschaffen. Es kommt darauf an, die goldene, freie Zeit gesundheitsfördernd zu verbringen. Dazu bedürfen wir vor allem der Bewegung in frischer,, reiner, erquickender Luft. Wie der Berliner Gelehrte Dido sagt: „Wir müssen lufthungrig werden." Anstatt Gasthäuser zu besuchen, Karten und Billard zu spielen, mögen unsere jungen Leute Wanderungen unternehmen, das Bergsteigen erproben, des Schwimmens mächtig werden, und neben dem Turnen, vor allem sich mehr den Turnspielen und dem volkstümlichen Turnen im Freien widmen. Wie leicht und mit welch geringer Mühe kann man hierin recht viel erreichen! Sehen wir uns ein Spielfeld an. Hier gibt es in bunter Abwechslung: Barlauf und Schlaglaufen, Ballspiele, wie Kriegsball, Grenzball, Hetzball, Jägerball, Schlagball und Faustball. Ein anderes Mal begegnen wir dem volkstümlichen Turnen, wie Wettlaufen, Stafettenlaui, Steinstoßen, Diskuswerfen, Tauziehen etc. Alle Spieler sind von gleichem Eifer beseelt und doch entbehrt man des Scherzes und des heiteren Tones nicht. Wie viel Gutes strömt auf diese Menschen ein. Sie atmen die würzige Luft, die Brust wird gedehnt, Herz und Lunge weiten sich, die Muskeln nehmen au Kraft und Ausdauer zu, die Nerven erhalten neue Spannkraft. Das Auge übt, in weiter Entfernung richtig abzuschätzen, das Ohr, den Schall schnell aufzunehmen und das Gehirn, rasch zu verarbeiten und gut zu behalten. Spielend sucht jeder die ihm im Wege stehenden Hindernisse zu überwinden, sein Mut stählt sich, alles angstvolle Bedenken weicht kraftvoller Entschlossenheit und Selbstüberwindung. Erfrischt an Körper und Oeist, mit lachenden Augen und fröhlichem Sinn kehrt der Mensch an sein gewohntes Arbeitsfeld zurück. Möge daher jeder, ob Mann oder Jüngling, ob Frau oder Mädchen, at* den Spielen im Freien teilnehmen und an sich die Wahrheit erfahren: „Spielend lernen wir spielen".