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Jüdische Turnzeitung · 1911-07-01 · 7 (7.1911) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
7 (7.1911)
Date
1911-07-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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No. 7 143 Studenten. Besonders der letzte Frühling brachte dem Verein einen guten Zuwachs. Und ein physisch brauchbares und technisch gut ausgebildetes Material braucht der Jüdische Ruderklub „Ivria" — diesen Namen führt der Verein seit zwei Monaten —, wenn er der großen Aufgabe, die er sich gestellt hat, gerecht werden will. Es gibt sehr viel Antisemitismus auf dem Wasser,-fast mehr noch als auf^dem Lande, und leider trifft man auch auf viel jüdischen Antisemitismus. Es existieren einige paritätische Vereine, die sich, wie immer, fast ganz aus Juden zusammensetzen und gegen die der jüdische Ruderklub sich zu wenden hat. Gegen diese Vereine und gegen die vielen anderen, welche die Juden ausschließen, hat die „Ivria" den Kampf eröffnet. Dieser wird vorzüglich auf ruderischem Qebiete durch den Wettstreit von Kraft und Geschicklichkeit ausgetragen, und zu seiner erfolgreichen Durchführung ist es notwendig, daß man die Boote mit Leuten bemannen kann, auf die man sich in Jeder Lage verlassen darf. Der Wettkampf zwischen zwei Booten, Match genannt, geht in folgender Weise vor sich: Begegnen sich zwei Boote, die dieselbe Fahrtlichtung haben, und. fordert das eine, indem seine Ruderer sich in die Riemen legen, das andere zum Wettstreit heraus, so ist es ein altes Ruderrecht und eine stolze Rudererpflicht, daß das herausgeforderte Boot, besonders wenn es unter Flagge fährt, den angebotenen Kampf aufnimmt. Und nun fahren die Boote im schnellsten Tempo oft viertelstundenlang nebeneinander her, in dem Bestreben, einander zu überholen. Da muß alle Kraft herausgeholt werden, wenn auch nach gewonnenem Siege ein Mann zusammenbricht, aüe Gedanken müssen konzentriert, jede Faser muß gespannt werden, denn ein falscher Einsatz des Blattes kann die Niederlage bedeuten. Wenn ein Zurückbleiben in einem Match für jeden Ruderklub eine Schande bedeutet, so trifft dies in viel höherem Maße für einen jüdischen Klub zu; denn indem man sich ihm überlegen zeigt, glaubt man zugleich die Inferiorität der Jüdischen Rasse zu beweisen. Dem Ruderklub „Ivria" '"ällt also die wichtige Aufgabe zu, das Judentum auf dem Wasser zu repräsentieren. Man kann hoffen — und alle Anzeichen deuten darauf hin —, da» es der „Ivria" gelingen wird, dieser Aufgabe immer mehr und mehr gerecht zu werden, und der weißen, blaugestreiften Flagge mit dem blauen Davidstern 2u Ehre und Ansehen auf dem Wasser zu verhelfen. So erlegt die Mitgliedschaft zum Jüdischen Ruderklub „Ivria" schwere, verantwortungsreiche Pflichten auf. Sie gewährt dafür aber als schönsten Lohn das stolze Bewußtsein, wirklich positive Arbeit für das Judentum zu 'eisten. Neben dieser bitterernsten Seite der Betätigung im jüdischen Ruderk|ub kommen nun aber auch die Erholung und die Freude zu ihrem Recht. Das Rudern soll Ja schließlich auch ein Vergnügen sein. In dieser Hinsicht sind neben den größeren Touren, die z. B. Ostern und Pfingsten stattfinden, die allwöchentlichen Sonntagsfahrten zu erwähnen. Schon früh des Morgens fahren die Boote von dem neuen, gemütlich eingerichteten Bootshause in Niederschöneweide ab, und dann geht es entweder über Schmöckwitz nach einem der dort gelegenen wunderschönen seen oder über Friedrichshagen hinauf in die Löcknitz oder nach einem andern idyllisch gelegenen Platze weit ab von dem Dunstkreise Berlins. Das Wittag kocht man selbst ab, eine einfache Kost, die aber nach den Anstrengungen der Fahrt besser mundet, als manches ausgewählte Mahl. Unter allerhand Sportspielen, die von einem Stündchen der Ruhe angenehm unterbrochen werden, vergehen die vier bis sechs Stunden der Lagerpaus^ cid

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