Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 6 (6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdfiche Cumzeifong. ITlonatsrdirl» für die körperliche Behling der Süden __Herausgegeben pon der gfldfHien Curnerfchaft._ glTjahrg, HO.T" BCT„n g/gderstr. 3» ~ 3™l 1911 Nachdruck der nachfolgenden Originalaufsatze ist nur mit gtnautr Quellenangahe gestattet. Basel 1911. Vom 9. bis zum 15. August dieses Jahres tagt der zehnte Zionistenkongreß in Basel. Die Stadt, die den I., II., III., V., VI. und VII. Kongreß Kastfreundlich beherbergte, sie soll auch den Jubilaumskon reß feiern. Und wenn sich wieder die Herzen hunderttausender ireiheit: Jurstender Juden hoffnungsvoll dem Zionistenkoiigreß zuwenden, so müssen auch wir uns wiederum klar werden, was er uns bedeutet. Der erste Kongreß war ein Markstein in der modernen jüdischen Geschichte. Zum ersten Male traten am 29. August 1897 im Baseler Stadtkasino Juden aller Länder zusammen, um in freimütigster Weise unter standiger Kontrolle der breitesten Oeffentlichkeit die brennende Judenfrage zu erörtern, zu studieren und ihrer Lösung näher zu bringen. Es war etwas unerwartet Neues, daß Juden aller Welt, die durch Anschauungen und Gewohnheiten, durch Sprachen und Sitten in hundert Lager gespalten schienen, hier einmütig zusammenkamen, um ihre unbedingte Zusammengehörigkeit zu dokumentieren', um ein Programm zu proklamieren, das diese Zusammengehörigkeit pflegen und fördern sollte. Das „Baseler Programm" war etwas so unerhört Großes, Freies, Stolzes, daß es die Enkel des Ghetto erschreckte. Es ist menschlich nur zu leicht verständlich, daß der Jude, der von Enttäuschung zu Enttäuschung gehetzt war, den Gedanken an eine öffentlich rechtlich gesicherte Heimstätte im Lande seiner Ahnen nicht gleich fassen konnte. Und so erlebten wir das erschütternd Tragische, daß ein großer Teil der Judenheit verständnislos, zum Teil sogar feindlich den Bestrebungen des Zionistenkongresses gegenüberstand. Menschlich begreiflich und darum verzeihlich ist auch so manche unschöne Blüte, die die Furcht vor den Zionisten gezeitigt hat. Aber die Geburtsstunde des Zionismus liegt mehr denn ein Jahrzehnt zurück, und von Kongreß zu Kongreß steigerte sich das Interesse und Verständnis, das man seinen Bestrebungen entgegenbrachte. Nicht, daß alle Juden Zionisten geworden wären: bei weitem nicht. Kein denkender Mensch wird das erwarten. Das Bekenntnis zum Zionismus erfordert mehr, als die meisten zu geben bereit sind. Wer den Schekel zahlt, vepflichtet sich, mehr als Zeit und Geld, vor allem seine ganze Persönlichkeit in den Dienst des Zionismus zu stellen. Und es ist nicht jedermanns Sache, sich politisch-agitatorisch zu betätigen. Und nicht jeder besitzt den Optimismus, der zweifellos nötig ist, um an den Zionismus, das heißt Uberhaupt an eine Zukunft des jüdischen Volkes zu glauben. So ist es erklärlich, daß das Baseler Programm ver-