Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 3 (3.1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3 57 Erziehung angedeihen zu lassen, hat die Vereinsleitung die Abhaltung eines Vortragszyklusses über die jüdische Nationalidee beschlossen, dessen Leitung Herr Dr. S. Werner übernommen hat. Der erste Vortrag fand am 4. März statt. Herr Ing. Ernst Frischer aus Brünn sprach vor einem zahlreichen Auditorium über die Zwecke und Ziele der jüdischen Turnbewegung. In kurzen Zügen entwickelte er den Zweck und Nutzen des Turnens überhaupt, zeigte dann an Hand von zahlreichen statistischen Daten, wie das Turnen gerade für das jüdische Volk unentbehrlich sei, um schließlich nachzuweisen, daß dank der Unduldsamkeit unserer Wirtsvölker unser Zusammenschluß auf jedem Gebiete, so auch zur Pflege des Turnens unbedingt nötig sei. Nachdem der Redner so die Notwendigkeit einer spezifisch-jüdischen Turnbewegung gezeigt hatte, gab er einen kurzen geschichtlichen Abriß über das Entstehen und stetige Fortschreiten der jüdischen Turnidee und schloß seine mit großem Beifall aufgenommene Rede mit dem Appell, auf dem betretenen Wege fortzuschreiten und die Sympathien für unseren Verein im Interesse unseres Volkstums nicht erkalten zu lassen. Nach einem kernigen Schlußworte des Vorsitzenden, Herrn Dr. S. Werner, wurde zu Ehren des Redners Herrn Ing. Ernst Frischer eine Kneipe veranstaltet, die bis in die späte Nachtstunde hinein die Teilnehmer in recht animierter Stimmung zusammenhielt. Zu der Abschiedsfeier für Herrn A. H. Reich wäre noch zu bemerken, daß auch Herr Q1 a s e r durch einige Vorträge zum Gelingen des Abends beitrug. . K.L. Breslau. J.T.-V. Am 11. März feierte der Jüdische Turnverein Breslau in den Räumen der Lessingloge sein Purimfest mit anschließendem Ball. Es war die erste größere Veranstaltung, mit der wir seit unserem Beitritt zur Jüdischen Turnerschaft an die Oeffentlichkeit traten. Das wohlgelungene Fest erfreute sich eines sehr zahlreichen Besuches auch von Seiten indifferenter Kreise der hiesigen jüdischen Bürgerschaft. Eröffnet wurde der Abend mit einem von Herrn Freund verfaßten Prolog, den unser Turnbruder Herr cand. jur. Markus mit schwungvollem Pathos vortrug. Dann folgte die Begrüßung der Qäste durch unseren Vorsitzenden Herrn Dr. Hofstein, der die Existenznotwendigkeit der jüdischen Turnvereine betonte. Die Festrede hielt Herr Referendar Dr. Salz. Er wies zunächst an der Hand der Statistik auf die physische Degeneration des jüdischen Volkes hin, der durch die Turnbewegung ein energischer Damm entgegengesetzt wird. Er schloß mit einem begeisternden Appell an die Anwesenden, mitzuwirken an der Renaissance des jüdischen Volkes. Danach erfreuten uns Herr und Frau Opernsänger Hecker vom hiesigen Stadttheater mit einigen Gesängen, darunter einem herrlichen Duett aus „Judas Makkabaeus" von Rubinstein. Es folgten zwei Tänze der Geschwister v. Russodzky, die das Entzücken aller Zuschauer erregten. Den Clou des Abends bildeten die von 12 Damen der Frauenabteilung nach Musikbegleitung vorgeführten Stabübungen, die durch ihre Exaktheit allgemeine Begeisterung hervorriefen. Ebenso erntete die aus der Männerabteilung gebildete Musterriege am Barren stürmischen Beifall, jede der auf exakteste ausgeführten Kürübungen wurde stark beklatscht; insbesondere löste eine prachtvoll gelungene Luftrolle Schreie teils des Entsetzens, teils des Entzückens aus. — Nach einigen allgemeinen Tänzen folgte eine kurze, gemütliche Kaffeetafel, während derer wir von Herrn Burin als dem Vertreter der Jüdischen Turnerschaft und von Herrn Mittwoch im Namen des Jüdischen Jugendvereins Breslau begrüßt wurden. Nach Aufhebung der Kaffeetafel kam endlich unsere Jugend zu ihrem vollen Rechte,