Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 1 (1.1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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18 No. 1 einmal nichts: wo keine Idee als vis a tergo treibt und spornt, da bleibt so ein jüdischer Turnverein ein kurzlebiges Modeding. Um so gespannter durfte man sein, als die Konkurrenz jüngst einen Vortrag über „Unsere turnerischen Ideale" ankündigte. Da dieser Verein von Gegnern jüdischer Turnideale gegründet wurde und nur noch von dem Haß gegen sie zusammengehalten wird, da andererseits auch deutsche Turnideale in ihm nicht lebendig sind und wiederholte Anbiederungsversuche an die deutschen Turnvereine kühl und höflich, bei der jüngsten Jubelfeier derselben sogar ziemlich derb abgelehnt waren, — so mußte diese Outsider-Gesellschaft offenbar ganz geheime Sonderideale zu exklusivem Einzelgebrauch haben, die endlich einer größeren Oeffentlichkeit unterbreitet werden sollten. Und was servierte man der aus kaum 80 Männlein und Weiblein bestehenden Versammlung, die mit so starkem publizistischem Aufgebot vorbereitet war? Man hetzte gegen die jüdischen Turnideale und bewies jedem, der es noch immer nicht wußte, daß man diese nicht haben könne und — machte auf diese Weise für sie Propaganda. Dafür sei an dieser Stelle den Herren gedankt. Und blös um uns zuvorzukommen und auszustechen, gründet man von jener Seite eigene Wander- und Turnklubs jüdischer Gymnasiasten. Solche Konkurrenz darf man sich gefallen lassen, auch wenn man noch immer ni:ht weiß, bei welchem Ideal dieser jüdisch-deutsche Pendelklub schließlich stehen bleiben wird. Wir können ruhig abwarten! P. Wien-Fünfhaus. J. T. V. Unter dem Titel Narrenabend veranstalteten wir am 7. Januar in den Engelsälen ein Maskenfest, dessen Verlauf als überaus gelungen und animiert bezeichnet werden darf. Die Devise: „Volkstypen aus Fünfhaus und den anderen umliegenden Weltteilen" gab Gelegenheit, die originellsten Typen vorzuführen und sah man auch Masken, wie sie köstlicher nicht sein können. Um 11 Uhr waren die Säle voll besetzt, kaum noch Platz für den Gruppeneinzug. In diesem sah man eine Knabenhortkapelle mit Knaben und Mädchen (Turnverein Favoriten), Plakatsäule mit Clowns (Erster Wiener .1. T. V.), Weckelmänner, Gefrornesverkäufer usw. Es entwickelte sich ein Maskentreiben, sehr amüsant für Masken und Zuscher. Um zirka 12 Uhr schleppten zwei Möbelpacker (2 FUnfhauser Turner) vier mächtige vernagelte Kisten auf einem Rodel in den Saal. Alles war sehr begierig, was da kommen sollte. Das war ein Hailoh, ein Kichern, als nun, wie Puppen, 8 Turner aus der Holzwolle ausgepackt und zum Sprungtischturnen aufgestellt wurden. Als unser Turnwart als Erster anlief, ertönte von einigen Seiten Geschrei und es ersuchten drei Masken um die Erlaubnis, mitturnen zu dürfen, was ihnen nach längeren Beteuerungen, daß sie alles nachmachen werden, gestattet wurde, natürlich nur im Turnkostüm. Ith Saal entkleideten sich die drei, was Anlaß zu kolossaler Heiterkeit gab, ein Clown zog Damenwäsche aus und nun begannen die Uebungen am Tisch. Das Turnen war, in Anbetracht der kurzen Zeit des Uebens, gut, ebenso die anschließenden Freiübungen. 64 Takte ohne Unterbrechung Polkatempo' Erst um 1 Uhr kam man zum Tanze, dem erst um 4 Uhr früh, vielen zu früh, Schluß gemacht wurde. Es war ein großer Erfolg und hoffen wir unserem aufstrebenden Vereine neue Freunde gewonnen zu haben. 0. R- Zürich. J. T.V. Dem Jahresbericht, den der Vorstand der ordentlichen Generalversammlung am 30. Oktober a. er. erstattete, entnehmen wir folgende Einzelheiten. Die Gesamtzahl der Mitglieder beträgt augenblicklich 120 und zwar 30 aktive Turner, 20 Turnerinnen und 70 Passivmitglieder. Es ist somit ein Anwachsen der Mitgliederzahl zu verzeichnen. Im Be" richtsiahre wurde die Damenriege gegründet, welche sich als lebenskräftiff erwiesen hat und eine günstige Entwicklung für die Zukunft erhoffen läßt