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Jüdische Turnzeitung · 1911-01-01 · 1 (1.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
1 (1.1911)
Date
1911-01-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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No. 1 11 jüdische Fragen für seine Mitglieder. Als Redner war Herr Rabbiner Dr. Emil Cohn-Kiel gewonnen worden, welcher vor einem überaus zahlreichen, mit gespanntester Aufmerksamkeit dem beliebten Redner lauschenden Auditorium über: „Jüdische Erziehungsprobleme" sprach*). Ausgehend von einem Phantasiereich ausgemalten Bilde schilderte der Vortragende die Stellung der jüdischen Jugend in Staat, Gesellschaft und Familie, indem er wie ein Arzt mit heilsamem Operationsmesser die Wunden aufdeckte, welche durch falsche Erziehung und Verzärtelung am Leibe des jüdischen Volkskörpers brennen. Ein Blick in die Vergangenheit des letzten Jahrhunderts könne wohl lenht Veranlassung geben, an der Cesundung und Wiederaufrichtung des judischen Volksganzen zu verzweifeln, aber der Aufschwung, den die Qegenwart ge- »lorr.men habe, gete eine sichere und begründete Hoffnung auf die Schaffung neuer Kulturwerte durch das jüdische Volk. Dazu sei aber durchaus notwendig, daß die Jugend mehr als bisher an Selbstzucht und an die Unterordnung unter eine Autorität gewöhnt werde, wozu die Bewegung der Studentenkorporationen, der jüdischen Jugend- und Turnvereine besonders beizutragen geeignet seien. Mit einem hoffnungsfreudigen Appell an die jüdische Jugend, in deren Dienst er sich vor allem gestellt habe, für jüdische Ideale zu kämpfen und zu wirken, schloß der Redner seine begeistert aufgenommenen Worte. An den Vortrag schloß sich ein gemütliches Beisammensein der jüngeren Mitglieder des Vereins, welches bis spät in die Nacht hinein dauerte und in dem der Qast des Abends von seinen alten und den neuen durch den Vortrag gewonnenen Freunden gefeiert wurde. Makkabäerfeier de» Jüdischen Turnvereins zu Köln. Zum neunten Male 'eierte der jüdische Turnverein in Köln seine Makkabäerfeier, und sie hat wahrlich nichts von ihrer Zugkraft verloren. Der große Saal der Lesegesellschaft war bis auf den letzten Platz gefüllt, und das aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung herbeigeströmte Publikum kam reichweh auf seine Kosten. Die Makkabäerfeier soll kein gewöhnliches Fest im alltäglichen Sinne sein; der jüdische Turnverein beabsichtigt mit diesem Feste zweierlei, zunächst den Juden Kölns zu zeigen, wie weit die Leistungen seiner Jurnenden Mitglieder gediehen sind und damit Propaganda für die jüdische Turnsache zu machen, ferner den Teilnehmern des Festes den altjüdischen Makkabäergeist wieder zum Bewußtsein zu bringen, damit Stolz und Selbstgefühl wieder unter den Juden erwacht. Beides ist dem Turnverein ge- '«ngen. Der ganze Rahmen des Festes trug ein echt jüdisches Gepräge, das ganze Programm war darauf zugespitzt, das ernste mit dem heiteren zu verbinden. — Nach dem Aufmarsch der Turner, die jubelnd begrüßt wurden, hielt Herr Salomon Linz, der Vorsitzende des Vereins, die Ftstrede. In kurzen, markanten Zügen gab Herr Linz ein Bild der makkabäischen Zeit von einst, schilderte den nationalen Kampf, der sich damals abspielte und zog eine Parallele auf die heutige Zeit, wo der Kampf um die nationale Freiheit und Einheit nicht minder heftig — wenn auch in anderer Weise — sich abspielt, und •«rderte zum unentwegten Festhalten an der nationalen Idee, die die Wiedergeburt des Judentums bedeute, auf. Nach Begrüßung der in corpore erschienenen V. j. Ster (Verein jüdischer Studenten) Bonn und des Vertreters des Jugendvereins „Gabriel Rießer" schloß der Vorsitzende unter allseitigem *) Anm. der Redaktion. Wir sind in der angenehmen Lage, mitteilen?u können, daß Herr Dr. Emil Cohn uns die Veröffentlichung dieses Vortrags ,n unserem Blatt gütigst zugesagt hat.

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