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Jüdische Turnzeitung · 1911-01-01 · 1 (1.1911) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
1 (1.1911)
Date
1911-01-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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8 No. 1 ersten Vernich machen wollen." Lachen und Bemerkungen wie: da schlaf ich noch und ähnliche waren die Antwort. Das Querleideinlaufen fand aber dennoch statt. Ein offizieller Bericht würde ungefähr lauten: „Es war ein grosser Erfolg. Eine stattliche Zahl von Teilnehmern hatte sich in Gross-Borstel eingefunden, nm bei herrlichem Wetter usw. . . . Eines trifft zu: Das Wetter war wirklich hübsch. Doch ein grosser Erfolg war es nicht. Im Gegenteil! Wir mussten sehen, dass in unserm Turnverein für einen Sport, der weniger fashionable als Tennis und weniger populär als Fussball spielen, aber gesund wie kaum ein anderer ist, leider sehr wenig Interesse herrscht. Von weit mehr als 100 männlichen Mitgliedern unseres Vereins waren es nur 10, die Herrn Turnlehrer Rechtern, der bewies, dass er auch als Manager des Querfeldeinlaufens seinen Mann stellt, in Gross-Borstel begrüssten. In einem Wirtshaus hinter der Rennbahn, am Rande des Exerzierfeldes zogen wir uns um. Leichte Turnkleidung, nur schwere Stiefel, denn wir hatten nicht gehofft hart gefrorenen Boden vorzufinden, wie es tatsächlich war. Dann ging's los. Erst aoo m Strasse. Dann biegt Herr Rechtern in einen Feldweg ein. Das erste Hindernis. Ein niedriger Zaun. Der Fahrer nimmt ihn mit einem Satz. Die folgenden auch. Doch zwei oder drei oder gar vier klettern darüber. Das nächste Hindernis, ein schmaler Graben, wird von allen genommen. Schon wieder ein Zaun. Alle kommen auf die andere Seite. Einige drüber hinweg und einige — der Berichterstatter will der Wahrheit die Ehre geben und führt als Milderungsgrund an, dass es der erste Versuch war — daneben vorbei. Entrostete Zurufe der guten Springer weisen uns zurecht. Und Ober den nächsten Zaun setzen alle in mehr oder minder schneidigem Sprung. Jetzt sind wir wieder auf der Strasse. Doch nicht lange. Bald führt uns Herr Rechtern quer aber das Ezezierfeld, aber dicke Graebüschel, gefrorene Eisschollen und leichten Schnee. Ueber eine Bretterwand, die sonst irgend einem mir unbekannten militärischen Zweck dient und vielleicht a1/2 m hoch ist, mussten wir klettern, aber drei Gräben springen und unter zwei Stacheldrähten durchkriechen, um in's Moor zu gelangen. „Einer hinter dem andern, immer in den Fussspuren des Vordermannes' tönt jetzt die Stimme des Fahrers. Denn rechts ist Wasser und links ist Wasser, manchmal auch unter uns. Zwei wissen davon zu erzählen, wie sie hineintappelten und ihre Stiefel dann noch einmal so schwer waren, wie vorher. Die Hände werden an den Kopf gehalten, damit uns die elastischen Zweige des Dickichts nicht in's Gesicht schlagen. Endlich sind wir heraus aus dem Moor. Ein besonders schöner, breiter Graben reizt die Mutigen zum Springen, während die weniger Kähnen die nahe Bracke benatzen. Noch einmal fahrt uns Herr Rechtem durchs Moor in weiten Bogen an — dieselbe Stelle. Dann gehts zurück. Bei den Tribünen tönt es: „Jeder, was er kann*, ioo m hält sich der ganze Rudel beisammen —1 lW'1 waren schon vorher zurückgeblieben. Dann lichtete sich die Schar. Nur ,'CT^ kommen laufend an's Ziel, während die fünf anderen im strammen Marschschntt „die frohe Aussicht" erreichen. Nachdem wir uns gewaschen und trocken gerieben, gehen wir in die warme, gemütliche Wirtsstube. Doch acht Wie lange mussten wir warten, bis der unvorbereitete Wirt Kaffee und Brot brachte. Aber dann hat es auch wirklich geschmeckt. Auf der Rückfahrt waren alle höchsten Lobes voll. Der Berichterstatter n»1 es an den andern gesehen und selbst gefohlt, wie wohl einem so ein Lauf bekomm Ist es an und für sich schon prachtvoll, wenn man ein Mal die Komtoir- und Stao - luft verläset und in vollen Zügen reine Luft atmet, so ist der Genuss noch viel grösser, wenn der Körper, nicht beengt durch schwere Kleidung, sich frei bewegt, die Lunge ungehindert arbeitet und die Brust sich weitet. WOssten die anderen wie schön « war, sie kämen das nächste Mal und wären immer so pünktlich zur Stelle, wie wi beim ersten Versuch. . Die Spötter vom Mittwoch hatten zu frOh gelacht. Jetzt konnten wir wären sie nicht unsere TurnbrOder. Die' Ausrede, dass sie Abends vorher Del» Vortrag des Herrn Dr. Emil Cohn und der anschliessenden Kneipe waren, gilt nie. Auch wir waren dort. Aber gerade weil wir dort waren, sah uns der frühe Morg schon beim Querfeldeinlaufen. Hamburg im Januar 1911. ^'

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