Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 7/8 (7.1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7/8 111 sich die Liebe und Achtung aller Turner durch sein liebenswürdiges Wesen, durch seine Bestimmtheit und Straffheit zu erringen. Ihm allein ist es zu danken, wenn der Turnbetrieb nicht ausgesetzt werden mußte. Seinem anspornenden Eifer, seinem unermüdlichen Mahnen und dem Vorbild, das er iedem einzelnen gegeben hat, war es gelungen, auch den Einzelnen zum Turnen heranzuziehen, die besseren Turner zu veranlassen, an höhere Aufgaben sich heranzumachen, in den schwächeren den Ehrgeiz zu erwecken, es den besseren gleichzutun. Auch an dieser Stelle wollen wir unseren Dank für seine Tätigkeit aussprechen, wenn er sie auch nicht des Dankes wegen ausgeübt hat. Wir wissen noch nicht, wie wir die Lücke, die sein Weggang hinterläßt, ausfüllen sollen. Dem Scheidenden rufen wir ein herzliches Lebewohl und auf Wiedersehen bei der nächsten gemeinschaftlichen Veranstaltung mit dem Bar Kochba. Proßaitz. J. T. V. Dem in unserer letzten Generalversammlung gefaßten Beschluß, wie im Vorjahr an iedem Sonn- und Feiertag Turngänge und -fahrten zu veranstalten, konnte infolge des anhaltenden schlechten Wetters nur zum geringen Teile nachgekommen werden. Doch ließen sich unsere Mitglieder, voran die wackere Frauen-Abteilung, nicht abhalten, selbst bei sehr zweifelhaftem Wetter, zumindest kleinere Turngänge zu machen. Einen von prachtvollem Wetter begünstigten Ausflug veranstalteten wir am 29. Mai, das Ziel galt der Mazocha, dem weltbekannten Erdsturz '1 der „Mährischen Schweiz". Die Abfahrt war für 2 Uhr früh eingesetzt, einige Turner betrauten sich mit der Aufgabe, sämtliche Teilnehmer rechtzeitig aus dem Schlaf zu wecken, was lebhaft an vergangene Zeiten des "Schulklopfens" erinnerte. Zur festgesetzten Zeit fuhren wir 40 Turner und Turnerinnen in drei Ausflugswagen ab. Nach ^ständiger Fahrt gelangten w»r an den mit dichten Waldungen bedeckten Drahauer Berg, den wir in einem zweistündigen Fußmarsche erklommen, nun gings, nachdem wir die wagen wieder bestiegen hatten, im flotten Tempo bergab nach unserer ersten Raststation Drahau, die wir in kurzer Zeit erreichten. Nach reichlicher Stärkung setzten wir unsere Fahrt fort und gelangten nach einer Prachtvollen Tour durch eine wunderschöne Gegend um %9 Uhr vormittags "ach Sloup, bekannt durch seine Tropfsteinhöhlen. Nach einer etwas längeren Rast und nach Bendigung des zweiten Frühstücks besichtigten wir die Höhlen; bei Fackelbeleuchtung ging es treppauf, treppab, durch lange Stollen an wunderschönen Tropfsteinbildungen vorüber, für die •"eisten ein noch nie gekannter Anblick. Nun galt es, das eigentliche Ziel unserer Wanderung, die „Mazocha", zu erreichen. Durch dichten Laubwald Kamen wir, früher als wir erhofften, zur „Mazocha", einem 180 Meter steil abfallenden Bergsturz, von dessen schwindelnder Höhe wir Steine hinabschleuderten, welche erst nach geraumer Zeit unter schußähnlichen Detonationen in der Tiefe anlangten. Zum zweitenmal konnten wir den Jüdischen »urnvereln in dem dort aufliegenden Gedenkbuch, diesmal mit 40 Unterschriften, verewigen. Ein kleiner Spaziergang führte uns zu den im Vorjahre neu entdeckten Tropfsteinhöhlen, welche, elektrisch beleuchtet, einen '^"haften Anblick bieten. Nach einer längeren Waldrast traten wir den zweistündigen Rückweg durch das herrliche Punkwatal nach Sloup an, wo wir Nieder unsere Wagen bestiegen, die uns nach einer fünfstündigen, durch •nen kleinen, jedoch bald behobenen Wagendefekt unterbrochenen Fahrt «ni 12 Uhr nachts wieder nach Proßnitz brachten. A"f diesen Ausflug, der jedem einzelnen Teilnehmer unvergeßlich 'eiben wird, können wir mit besonderem Stolze zurückblicken, wenn wir