Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 2 (2.1910)
- Date
- 1910-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2 27 Wie schon anfangs erwähnt, ist die Kolonie, wie sie zunächst ins Leben treten wird, erst eine Übergangsform. Das Land verbleibt zunächst im Besitze des Nationalfonds. Erweist sich das Unternehmen als lebensfähig und gewinnbringend, erwerben die Arbeiter dabei einiges mehr über ihren Lebensunterhalt hinaus, so daß sie Ersparnisse machen können, dann wird allmählich das Land in den Besitz der Arbeitergemeinschaft übergehen. Der genossenschaftliche Bodenbesitz wäre damit erreicht, die Arbeitenden würden selbst zu Nutznießern der Grundrente. Zu dieser Besitzgemeinschaft würde dann auch wie von selbst eine Betriebsgemeinschaft treten, d. h. genossenschaftlicher Einkauf der Dünge- und Saatmittel usw. und genossenschaftlicher Verkauf aller Erzeugnisse. Damit wäre ein in sich geschlossenes Gebilde auf genossenschaftlicher Grundlage erreicht, die Siedlungsgenossenschaft. In der ganzen Betrachtung ist eine Seite dieser Neuschöpfung bisher außer acht gelassen worden: der außerordentliche Einfluß auf Gesundheit und körperliche Entwickelung des jüdischen Stammes. Und hier liegt auch der Berührungspunkt zwischen der jüdischen Turnsache und dem Beginnen Oppenheimers. Auch dieses arbeitet, mit Kanz großen Mitteln allerdings, an einer körperlichen Neugestaltung der jüdischen Zukunft. Man denke sich ein Land besetzt mit Siedlern, die mit dem Mutterboden verwachsen, frei und unabhängig dort wirtschaften können für sich und ihre Nachkommenschaft. Erscheint da nicht wie v'on selbst das Bild, das der deutsche Dichter malt: Meinen Jungen im Arm, in der Faust den Pflug, Und ein fröhlich Herz, und das ist genug. Frei will ich sein! Welch ein Geschlecht muß da heraufwachsen, ein Geschlecht mit der ganzen selbstverständlichen Urwüchsigkeit eines Baumes, mit der selbstverständlichen Schönheit einer Blüte! Bei der Siedlungspnossenschaft geht es auch von Grund auf an die körperlichen Vorbedingungen der jüdischen Zukunft, und darum hat die jüdische Türkei alle Veranlassung, dieses großzügige Parallelbestreben mit •"reude zu begrüßen und mit Interesse zu verfolgen. S i g. L e w y. Eine Turnfahrt nach Palästina! Die Idee einer solchen Fahrt ist schon alten Datums. Wir ermnern uns, dass schon in der ersten Zeit des Bestehens des ßar-Kochba beabsichtigt wurde, eine Palästinaturnfahrt vorzunehmen — freilich nur auf der Bühne, gelegentlich einer festlichen Vereinsveranstaltung. Das Theaterstack wurde denn auch v°n unserem Dr. Israel Auerbach geschrieben, aber nicht aufgeführt. Die Ursache dieser Unterlassungssünde ist uns nicht mehr