Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 9 (9.1909)
- Date
- 1909-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 9 167 turnwart ist die oberste Kompetenz in allen turnerischen Fragen, er überwacht den gesamten Turnbetrieb, ist der Inspizient aller Abteilungen und stellt, nachdem er sich ein Bild von dem turnerischen Stand des gesamten Vereins gemacht hat, mit vieler Mühe das turnerische Programm für das kommende Halbjahr fest. Dieser kunstvoll aufgebaute und mit viel Fleiß durchdachte Plan darf keinesfalls durch eine Zufallsmajorität der Vorturnerschaft gefährdet werden. Die Vorturnerschaft hat neben den ihr oben zugedachten Obliegenheiten in ihren Sitzungen nur den Zweck, über den turnerischen Stand ihref Abteilungen zu referieren und eventuell turnerische Wünsche vorzutragen, und jeder vernünftige Hauptturnwar't wird auch diesen Wünschen nach Möglichkeit Rechnung tragen. Keinesfalls aber darf die Stellung des Hauptturnwarts zu einem ausführenden Organ des Willens der Vorturnerschaft herabgewürdigt werden. Er muß immer über den turnerischen Parteien stehen. Selbstverständlich muß der Hauptturnwart, das bedarf keiner Erwähnung, der Vorturnerschaft über seine Entschließungen Rede und Antwort stehen, in seinen Plänen, soweit sie natürlich das turnerische Arbeits- Programm betreffen, darf ihn niemand beschränken. Ich würde mich freuen, wenn in dieser, wie ich zugeben will, noch völlig ungeklärten Frage ein Vorturner eine gegenteilige Ansicht an dieser Stelle äußern wollte. Überhaupt ist die turnerische Schriftstellerei ein durchaus sowohl aktiv wie passiv arg vernachlässigtes Qebiet. Es gehört sehr wohl zu den Pflichten des Vorturners, hin und wieder turnerische Aufsätze über dieses oder jenes Thema auszuarbeiten, die dann in der Turnzeitung diskutiert werden können. Alles in allem sehen wir, daß es noch vieler Mühe und ernster Arbeit bedarf, unsere Vorturnerschaft auf das Niveau zu stellen, das die jüdische Turnbewegung erfordert. Diese Arbeit kann aber unmöglich von der turnerischen Leitung allein geleistet werden. Hier heißt es Selbsterziehung üben, "ir alle müssen an uns arbeiten, um die Schwächen und Fehler, die wir aufweisen, abzustreifen. Und wenn jeder Vorturner in steter Erkenntnis seiner Verantwortlichkeit und seiner Pflichten, diese Selbsterziehung leisten wird, dann werden wir auch bald über eine Vorturnerschaft verfügen, die ln turnerischer, organisatorischer und moralischer Hinsicht durchweg als mustergiltig bezeichnet werden kann. Tm-nbericht des J. T. V. „Bar Kochba"-Berlin für das I. Halbjahr 1909, der Generalversammlung vom 17. Juli entartet.*) Der Bericht, den ich Ihnen zu geben habe, umfaßt ein arbeitsreiches Halbjahr. Der IV. Jüdische Turntag erforderte erhebliche turnerische Anstrengungen, denen sich der Verein im großen ganzen gewachsen zeigte. Der Betrieb hat sich in fast allen Abteilungen merklich gehoben, zwar weniger in der Frequenz der Turnabende, als in der Art, wie und mit welchem trfolge geturnt wurde. Den Männer-Abteilungen ist es gelungen, an ihren festen Stamm einigen j cnwuchs anzugliedern, sodaß es im Gegensatz zu früher ihöglich wurde, die ^schreitende Riegeneinteilung einzuhalten. Ueber Mangel an Vorturnern ist *) In den Zahlenangaben gekürzt.