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Jüdische Turnzeitung · 1909-09-01 · 9 (9.1909) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
10 (1909)
Issue
9 (9.1909)
Date
1909-09-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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164 No. 9 Ein sehr wichtiges, wenn auch bei uns sehr vernachlässigtes Gebiet ist das der Turnsprache. Die elementarste Anforderung, die man an einen Vorturner stellen kann, ist die, daß er mit der Turnsprache auf durchaus vertrautem Fuße steht. Er muß bei Beginn jeder Übung diese turnsprachlich vollkommen einwandsfrei seiner Riege demonstrieren können, um so die Turner an die Turnsprache nach und nach zu gewöhnen. Es ist ferner unbedingt erforderlich, daß der Vorturner an alle n Geraten eine bedeutende turnerische Überlegenheit seiner Riege gegenüber aufzuweisen hat. ein Prinzip, das bei uns nicht immer durchgeführt wird. Ich will zugeben, daß das bei der 1. Riege nicht immer aus Mangel an erstklassigen Turnern prompt durchgeführt werden kann. Bei den anderen Riegen ist aber streng darauf zu achten. Nichts kann so sehr den erforderlichen Respekt, den die Riege unbedingt dem Vorturner schuldet, untergraben, als wenn er sich vor seiner Riege turnerisch blamiert oder in der Ausführung der Übungen von einzelnen aus der Riege geschlagen wird. An den Respekt dem Vorturner gegenüber anschließend, möchte ich noch einige Betrachtungen über die Riegendisziplin im allgemeinen anknüpfen. Es ist an dieser Stelle schon oft betont worden, daß wir es auf dem Turnsaal mit einer selbstgewollten Disziplin, im Gegensätze zu der Muß- Disziplin beim Militär zu tun haben. Aber diese selbstgewollte Disziplin muß doch immerhin noch Disziplin bleiben. Es ist hier einmal an dieser Stelle in einer der früheren Nummern der Tumraelei auf dem Turnsaal das Wort geredet worden. Ich stehe nicht durchweg auf diesem Standpunkt. Sie mag während des Kürturnens oder draußen auf den Spielplätzen berechtigt sein, während der Frei- und Ordnungsübungen und auch während des Riegenturnens hat an ihre Stelle eine straffe Disziplin Platz zu greifen, die, da sie ja selbst gewollt ist, leichter erreichbar sein wird, als wenn sie erst gefordert werden müßte. Hieraus ergibt sich auch, inwieweit die Rie»6 dem Vorturner Respekt schuldig ist. Der Ton, in dem der Vorturner mit der Riege verkehrt, hat selbstverständlich ein durchaus kameradschaftlicher zu sein. Kein Turner schuldet seinem Vorturner Kadavergehorsam. Aber das geringe Maß von Respekt, daß der Vorturner zur Durchsetzung seiner turnerischen Kommandos nötig hat. muß ihm unbedingt zugestanden werden. Versagt ein Turner seinem Vorturner selbst dieses Mindestmaß von Re" spekt, so muß ein derartiges Verhalten ebenso den sofortigen Ausschluß vom Turnen zur Folge haben, als wenn der betreffende Turner sich gegen den Turnwart selbst eine Disziplinlosigkeit hätte zuschulden kommen lassen. Überhaupt wird der Vorturner gut tun, ein gewisses selbstbewußtes und energisches Auftreten an den Tag zu legen. Ein zaghafter, schwacher und nachgiebiger Vorturner wird niemals ein mustergiltiger Vorturner sein können. Wir sehen also, daß es eine ganze Reihe von Pflichten und Antordeuingen ist, die an den Vorturner herantritt, und wir sehen ferner, daß unser Prinzip, nach dem wir bisher unser Vorturnermaterial gewählt haben, endlich einmal revidieren müssen. Wir haben bisher denjenigen schon zum Vorturner für qualifiziert gehalten, der im praktischen Turnen durch eine gewisse Überlegenheit aus der Gesamtheit hervorragt. Ich kann mir aber wohl vorstellen, daß der beste Gipielturner der schlechteste Vorturner sein kann. Fälle aus der Praxis haben schon oft genug die Richtigkeit meines Standpunktes bewiesen. Wir müssen also nach anderen, durchgreifenderen Mitteln uns umsehen, die uns eine gewisse Gewähr für ein tadelloses Vorturnermateria geben können.

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