Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 6/7 (6.1909)
- Date
- 1909-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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122 No. 6/7 12 Uhr w ar schon vorüber, als wir an unserem Ziele eintrafen und vernahmen, daß sich die hierher Vorausgefahrenen schon auf ihre Zimmer zurückgezogen hatten. Auch wir begaben uns bald zur Ruhe, um nach erquickendem Schlummer wieder frisch gestärkt zu erwachen. Der Hausknecht hatten den Auftrag, uns um 6 Uhr morgens zu wecken. Nachdem wir gefrühstückt hatten, wurden die, die Tafel schmückenden, süß duttenden Maiglöckchen zu zierlichen Abschiedssträußen gewunden, und fort ging's durch den mit blühenden Kirschen- und Apfelbäumen besäten schmucken Ort zum Schiff. Am Wege dahin sahen wir einen Träger der alten Mönchguter Fischertracht, dessen Beinkleider übrigens ujisere Turnerinnen lebhaft an die modernen Dameiiturnhosen erinnerten. Sechs Personen, darunter eine noch im allerletzten Moment, hatten sich entschlossen, noch längere Zeit in (Döhren zu bleiben. Es waren daher nur nr.ch neun Turner und Turnerinnen, welche sich nun auf dem Dampfer „Freia" einschifften, und zwar mußte dies mit solcher Eile geschehen, daß wir von den übrigen nicht mehr Abschied nehmen konnten. Mit Tüchern und Hüten, ia sogar mit einem Wetterkragen winkten die Zurückgebliebenen dem in die See stechenden Schifte nach, und wir grüßten zurück, bis die Landungsbrilcke von Göhren nicht mehr zu sehen war. Wie ein stolzer Schwan glitt unser schneeweißes Schiff durch die Wellen. Wir konnten nicht müde werden, in die zu beiden Seiten des Schiffes aufrauschenden, schaumgekrönter. Wogen und weit hinaus in die schimmernde Flut zu blicken. Durch den Feldstecher beobachteten wir unzählige rot und braun gefärbte, in einer Reihe stehende Fischerflotten, und sahen noch einmal zurück auf den Küstenstreifen, bis auch der ragende Turm der Granitz unseren Blicken entschwunden war. Heiterster Sonncnglanz lag auf dem spiegelblanken Meer, das sich *'\e ein Tuch aus hellblau moirierter Silberseide vor uns ausspannte, in das die Lichter der über den Wellen tanzenden Sonnenstrahlen Millionen von va' manten streuten. Nach zweistündiger, herrlicher Fahrt, während welche wir eine e'8?^ tümliche Insel, die Greifswalder Oile, passierten, kamen wir zu der, von a Ausflüssen des Haffs in die See gebildeten Insel Usedom. Unser Schiff M in dem waldumgebenen Badeorte Heringsdorf an und kam nach wei'eje halbstündiger Fahrt gegen 11 Uhr durch die Molen nach Swinemünd Hier verließ uns nun zu unserem größten Bedauern unser Führer, ne Erich Burin. Als umsichtiger Leiter der so wohlgelungenen Turnfahrt u durch die Unermüdlichkeit, mit welcher er uns aui alles Interessante a merksam machte, hatte er sich die aufrichtigste Dankbarkeit aller Teilnenm erworben, welche ihm noch so lange nachwinkten, bis er die Fähre na Wollin bestiegen hatte. Wir sahen noch lange zurück nach dem hohen Leuchtturm von 0?j*Jt" nothafen und dem schönen Hafen der am Ausfluß der Swine gelegenenJp..|B Swinemünde. Dann fuhren wir zwischen den Inseln Usedom und . hindurch in das Große Haff, welches die Oder bildet, bevor sie sich f Ostsee ergießt. An Steile der See trug bald der ruhig fließende str0"V0ften, Schiff. An den nahegerückten Ufern tauchten erst mehrere kleine Ortscn»!* sowie die Stadt Pölitz und später die bis zum Uier der Oder reichenden unügungsorte Frauendorf und Gotzlow auf. Dann erregte der „Vulkan » yrößte Schiffswerft Deutschlands, unser Interesse. Mächtige Kriegsschiffe man hier entstehen, dort wurde ein altes Wrack wieder seefest gemacn drüben vollendete man einen eleganten Salondampfer.