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Jüdische Turnzeitung · 1909-06-01 · 6/7 (6.1909) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
10 (1909)
Issue
6/7 (6.1909)
Date
1909-06-01
Page
[Seite] (sequence 46)
Language
German
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120 No. 6/7 Am andern Morgen war der Himmel grau umzogen, und wegen des bewegten Wellenganges mußte die Segelfahrt nach Arcona aufgegeben und das ursprüngliche Programm abgeändert werden. Wir gingen auf dem vielfach in die Kreidefelsen eingehauenen Strandwege nach Stubbenkammer zurück, von wo aus wir im Motorboot wieder nach Saßnitz fuhren. Aus dem Schirre konnten wir die mit Laubwäldern gekrönten Kreidefelsen, welche wir gestern überschritten hatten, nun vom Meere aus bewundern und die merkwürdige Bildung ihrer Zacken und Kanten genau beobachten. Der Himmel hatte sich inzwischen wieder aufgehellt, und die Sonnenstrahlen übergössen das Meer mit schimmerndem Qlanze. In Saßnitz angelangt, hörten wir, daß der Sommeriahrplan noch nicht in Kraft getreten sei, weshalb wir bis zum Abgang des nächsten Zuges nach Bergen.noch eine ganze Weile warten mußten. Uber die abermalige P'0' grammänderur.g, welche infolge des verspäteten Eintreffens in Bergen notwendig wurde, tröstete uns bald ein zweites Frühstück im Hotel und eine Promenade am Strand, welcher weithin mit meterhohen, dichtgesäten Steinen bedeckt ist. Auf einem dieser, von der See umwogten Blöcke ließen wir uns nieder, sahen den Wellen zu, wie sie über die Steine sprangen, und blickten weit ins Meer hinaus, das sich am Ufer milchweiß färbte und dann in grün, violett und blau schillernden Farbentönen vor uns ausbreitete. Der Aufenthalt r.n dem Steinstrandt von Saßnitz wäre uns bald verhängnisvoll geworden, da wir beinahe den Zug vei säumt hätten. Mit knaPP«r Not kamen wir zur Bahn, welche uns in kurzer Zeit nach Bergen brachte- Hier gab es rührenden Abschied von acht Personen unserer Oesellschattwelche von hier aus ihre Reise nach Kopenhagen, resp. nach Prag fortsetzten und vorher v<;in nahen „I?ugard" herab Abschied von Rügen nehmen wollten- Unsere nun auf 15 Personen zusammengeschmolzene Gruppe fuhr mit der Bahn weiter nach dem von dem Fürsten von Putbus gegründeten Orte gleichen Namens. Hier kamen wir zuerst zu dem großen Hauptpl»tze („Cirkus"), in dessen Mitte sich ein an die Oründuhg des Städtchens erinnernde;- Obelisk erhebt. Dann begaben wir uns, der Stimme unseres Magens gehorchend, natürlich gleich ins Gasthaus, auf dessen Veranda uns schon die vorher bestellte, mit Maiglöckchen, Narzissen und Flieder gcschmücKt Mittagstafel erwartete. Die Entdeckung, daß im Hause auch ein Saal ffll Turngeräten vorhanden sei, rief großen Jubel hervor. Sicher wäre gleich ein Turnstunde improvisiert worden, hätte der Zeitmangel nicht sofortigen Aulbruch gefordert. Unter Führung des freundlichen Wirtes, eines deutsche Turners, besichtigten wir nach dem Speisen den wunderschönen Park, ' \velchem sich das imposante fürstliche Schloß befindet. Herrliche alte BauI " riesen umsäumen die wohlgepflegten Wege und bilden den Hintergrund de mit Epheu und Wein umsponnenen Säulen der blumenverzierten Terrasse " anlagen am Teich. Als wir an dem durch ein Gitter abgeschlossenen T| " Karten vorbeigingen, kam ein ganzes Rudel zahmer, brauner und w*'B Hirsche ganz zutraulich herbei und beguckten uns mit ihren neugjer« runden Augen mit sichtlichem Interesse, was natürlich auf GegenseitiJtl* beruhte, ^n weißun.l rotblühenden Gruppen dicht belaubter Kastatf' bäume vorüber gelangten wir zu dem sogenannten Ki'ichengarten, wo * blicke auf die See und auf die gegenüberliegende Insel Vilm ein hübsc ßild boten, und zum Fechtertor. Inzwischen war es aber schon wieder höchste Zeit <tewY,r£'en',-1ait- Bahnhof zu eilen. Die Herren übernahmen es, im Laufschritt aus dem u f haus die dort zunickgebliebenen Überkleider zu holen, während unser Fu Jie Damen au) abgekürztem Weue an den im weißen Bltitenschnee P

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