Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 6/7 (6.1909)
- Date
- 1909-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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118 So. 6/7 heldenhafte Verteidigunj; Stegen Wallenstein bekannten Stadt Stralsund ein. Diese steht durch drei Landengen mit dem Festlande in VerbindunK und ist von der See und drei großen Teichen umgeben. Vom Stralsund-Bahnhof fuhr der Zug zum Hafen bis zur Abfahrtstelle der Trajekte. Daselbst nahm das Schiff die Waggons auf und übersetzte mit ihnen die Meerenge, welche die Insel Rügen von Pommern trennt. „Das Meer, das Meer!" wie ein Jubelruf ertönte es von allen Seiten. In größter Hast lief und sprang man über die Waggontreppen aufs Schiff und blickte von der Schiffsspitze mit leuchtenden Augen, flatternden Haaren und Kleidern zurück nach dem schönen Hafen von Stralsund und vorwärts in die blaugrüne Flut, die mit ihren schäumenden Wellen das Schiff umspülte. In Altefähr hieß es wieder ins Coupde steigen, da sich die Waggo»smit einer frischen Lokomotive versehen, wieder auf dem festen Lande in Bewegung setzten. Au den Wässern des großen und kleinen .fasmunder Boddens vorüber und durch Felder von gelbblühenden ölblumen brachte uns die Eisenbahn gegen 4 Uhr nachmittags nach S a ß n i t z. Daselbst wurden wir durch das Zusammentreffen mit dem ehemalige'1 Obmanne de? I. Wiener Jüdischen Turnvereins, Herrn Dr. Werner, sowie Herrn Hugo Spitzer und dessen Schwester angenehm überrascht, welche sich nach kurzer Begrünung weiter nach Kopenhagen einschifften. Unsere Gesellschaft ließ sich auf der Terrasse des knapp am Meer gelegenen Strandhotels nieder, um in erster Linie die obligaten Ansichtskarten zu schreiben und Kaffee zu trinken. Letzterer erinnerte zwar einige anspruchsvolle Österreicher an abgestandes Abwaschwasser, doch schwa"* den alle kulinarischen und sonstigen Bedenken im Nu, wenn man nur einen Blick auf das Meer warf. So weit das Auge reichte, breitete sich vor uns die Ostsee aus. In der Sonne silbern schimmernd, zerflossen die zarte" grauen und grünen Farben der Wogen und vermengten sich am Horizont nw dem blassen Blau des Firmaments. Dunkle Dampfer erhoben hin und wieder ihre stolzen Mäste und die Segelbote flatterten wie weiße Schmetterlinge auf den leichtbewegten Wellen. Nach kurzer Rast begannen wir, heiter plaudernd, unsere Fußtour- Wenn uns auch sengende Sonnenstrahlen dicke Schweißperlen auf die Stirn trieben, ging es doch rüstig vorwärts, bergauf und bergab, durch Dick un Dünn, über Hänge und Bäche. Als bei einem solchen unser Führer mit Beispiel voranging und mit besonderer Grazie hineinplumpste, war es nat' ' lieh Ehrensache, dies mit mehr oder weniger Geschick, je nach individuel e Veranlagung, pflichtschuldigst nachzuahmen. . f Irn strammen Marschtempo schritten wir durch herrliche Buchenwald und über romantische Schluchten. Blühende Veilchen und weiße sternroSns umsäumten die moosbewachsenen Wege, während das Meer beständig_ u zur Seite durch die Bäume schimmerte. So wanderten wir durch die Stubn nach S t u b b e n k a m m e r. In die See vortretende, schroffe Kreidetet» unterbrachen die verschlungenen Waldpfade, und immer schöner und he licher wurden die Öilder, die sich unseren Augen boten, wenn wir, 8" ( Uferböschung vortretend, durch den freien Ausblick auf das Meer 'r"ke„ wurden. Die gigantischen Zacken der kleinen und großen Wissower und später die steil abfallenden Kreidewände von Stubbenkammer K trastierten effektvoll durch ihr schneeweißes Gestein mit den sie umgeben«» * maiengrünen Buchenwäldern und den blaugrünen Wogen der Ostsee, wir in Stubbenkammer, der höchstgelegenen und schönsten Felspartie Rügen, eintrafen, ging ein leichter Regenschauer nieder, und ein dufflP. e Donnern ließ uns ein herannahendes Gewitter befürchten. Nur *'efl