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Jüdische Turnzeitung · 1909-05-01 · 5 (5.1909) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
10 (1909)
Issue
5 (5.1909)
Date
1909-05-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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70 No. 5 jüdischen Ackerbauschule in Long-Island durchgemacht haben. Sehr wenige bezahlen etwas in Bar für den Grund und Boden, die meisten werden angesiedelt, bekommen Vieh und Geräte sowie, für einige Zeit, auch Geldunterstiitzung, bis das Land ihnen Lebensunterhalt gewährt und sie später auch anfangen können, ihre Schulden abzubezahlen. In Anbetracht der ungünstigen Verhältnisse ist die Leistung mancher dieser jüdischen Bauern sicherlich gut, aber der Gesamteindruck ist elend und muss auf jeden Studenten der H. A. S. entmutigend wirken. Mit der H. A. S. kommen die Farmer in Berührung, wenn sie Rat und Beistand oder Medizin für ihre kranken Tiere gebrauchen, welche ihnen dort frei zur Verfügung steht. Wie anders dagegen, Gott sei Dank, die Baron de Hirsch-Schule. Unter den oben erwähnten schwierigen Bodenverhältnissen wurde hier inmitten der Kolonie durch jahrelange fachmännische Behandlung und einiges Kapital Gutes geleistet. 15 Minuten von der Bahnstation liegen die ansehnlichen Schul- und Wohnhäuser, umgeben von grossen gärtnerischen Anlagen. Dahinter sind Ställe für die verschiedenen Sorten Vieh, wie sie manche staatliche Hochschule nicht aufzuweisen hat. Alles ist sauber und in bester Ordnung, die Tiere schön gepflegt und rassig, ein ermutigendes Bild Wr einen hoffnungsfrohen Jünger der Landwirtschaft. Die Studenten der Schule sind fast durchweg russische Juden von üemeindeschul- bis Gymnasialbildung. Intelligenz, fester Wille bis zur Starrköpfigkeit, Zusammengehörigkeitsgefühl, Misstrauen gegen andere, Revolutionslust, Idealismus und Wissbegierde sind mir immer wieder an ihnen als die vorherrschenden Eigenschaften erscheinen. Alles zusammen könnte jemand, der es versteht, viel aus diesem Menschenmaterial machen. D'e Lehrer sind fast durchweg praktisch und theoretisch gebildete christliche Amerikaner, die auch ausserhalb des Unterrichts in engem gesellschaftlichen und freundschaftlichen Verkehr stehen und bemüht sind, diesen auf schnellstem Wege zu amerikanisieren. Im allgemeinen habe ich noch nie Lehrer gehabt, welche mir sympathischer waren als sie. Der Direktor ist ein rumänischer Jude und praktischer Landwirt, der auch durch eine amerikanische Hochschule gegangen ist. Sämtliche Hausangelegenheiten unterstehen einern deutschen Fräulein Cantor aus Hannover. Im ganzen herrschte ein äussert angenehmer Ton zwischen Studenten und Fakultät, der meinerseits nur dadurch etwas litt, dass der sehr eifrige Direktor Jeden mit einem Misstraue« betrachtete, ob er nicht etwa, wie es auch manchmal — und früher sogaf häufig — vorkam, nur der Annehmlichkeiten halber dorthin gekommen war. Unsere Unterrichtsgegenstände waren u. a. in dem zweijährigen Kursus: 1. Vorlesungen über: Englisch, Arithmetik, Physik, Rindvieh taxieren und Studium Feldbau, Gartenbau, Physik und Chemie des der Rassen, Fortpflanzung und Veredelung bodens, Botanik, Treibhauspflege, Landschaftsverschönerung. der Rassen, Futterstoffe und Fütterung, Tierärztliches, Geflügelzucht, Meierei (Laboratorium und Vorlesungen), 2.

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