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Jüdische Turnzeitung · 1908-12-01 · 12 (12.1908) · p. Seite 214

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
12 (12.1908)
Date
1908-12-01
Page
Seite 214 (sequence 8)
Language
German
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214 No. 12 Seit den Zeiten des Kyros und Serubabels waren unausgesetzt die Versuche fortgeführt worden, durch eine allmähliche Kolonisation das heilige Land wieder mit Juden zu bevölkern. Zwar hatte durch die Eroberungszüge Alexanders des Grossen die Entwicklung einen gewaltsamen Riss erhalten, aber immer und immer wieder flammte nationale Gesinnung auf, und in engern Kreisen erinnerte man sich, dass die Rückkehr nicht so sehr religiöse Bestrebungen zum Zwecke habe, als der nationalen Wiedergeburt des vertriebenen Volkes im eigenen Lande gälte. Es scheint beinahe) dass sich eine solche Ueberlieferung in der Familie des Cbaschm a n aus dem Hause Jojarib fortpflanzte, weil man gerade mit seinem Namen die Erinnerung der glorreichen Geschichte seiner Familie begann. Aber jedenfalls handelt es sich um vereinzelte Bestrebungen weniger Idealisten, die auch dann mit unlösbarer Liebe an ihrem Volkstume hingen, als es vornehm und zugleich vorteilhaft wurde, sich seines Volkstums zu entäussern. Denn nicht eine Epoche nationalen Ringems und Kämpfens war den makkabäischen Grosstaten vorausgegangen, sondern eine Zeit, in der man die nationalen Ueberlieferungen schnöde vergessen und um das Linsengericht eines Aristokratseinwollens verkauft hatte. Die Zeit vor den Makkabäern ist gekennzeichnet durch die Namen der Tobiaden und durch die tiefe Sebsterniedrigung und schmachvolle Anlehnung an die fremde durch politische Macht einflussreiche Kultur. In den Tagen, die den Makkabäerkämpfen vorausgingen, und noch weit in die Kampfeszeit hinein, hatte das Jüdische Volk, das gewiss von Gegnern ringsum bedräut und umstellt war, keinen ärgern Feind als jene exklusiven Kreise, denen reichere Mittel an Geld das Gelüste eingaben, sich etwas besseres zu dünken, als ihre weniger bemittelten Volksgenossen. Eine reiche Kaste, die sieb infolge ihrer nicht immer mit reinen Mitteln erworbenen Geldmacht vielfach auch eine höhere formale Bildung aneignen konnte, hatte innerhalb der jüdischen Nation kein Genüge gefunden und strebte danach, im engsten Anschluss an das umgebende herrschende Volk ihr eigenes „I c h" zu heben. Das geschah nicht etwa immer, indem sie sich offen vom alten Volkstume loslösten, vielmehr blieben sie meistens in einem gewissen lockeren Zusammenhange mit der übrigen Nation. Sie übten auf diese Weise einen unheilvollen Einfluss aus, da sie dem Volke, das geneigt war seinen Geld' und Bildungsaristokraten zu folgen, eindringlich anempfahlen, sich

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