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Jüdische Turnzeitung · 1908-12-01 · 12 (12.1908) · p. Seite 212

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
12 (12.1908)
Date
1908-12-01
Page
Seite 212 (sequence 6)
Language
German
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212 No. 12 m e i n h e i t. Die Gewerbeschule ist gestiftet worden im Interesse der wirtschaftlichen und moralischen Hebung der elsässischen Judenheit; sie wird von der gesamten elsässischen Judenheit unterhalten. Und in dieser Institution bringen die Mitglieder des Verwaltungsrates ihre privaten antijüdischen Ansichten zur Geltung! Ihre Stellung als Verwalter jüdischen Eigentums schreibt ihnen die Richtung ihrer Tätigkeit vor, und sie machen es gerade umgekehrt. Wir reagierten auf diese Haltung, indem wir erklärten, dass wir die Konsequenzen aus ihren Anschauungen zu ziehen wissen und die Turnhalle verlassen, zugleich aber auch die Öffentlichkeit anrufen werden. Unser Verein steht also am Anfang eines Kampfes mit dem offiziellen Judentum. Er soll für uns die Feuerprobe sein. Wir machten uns sofort auf die Suche von Hallen, und es ist uns bereits gelungen, durch das Entgegenkommen von Stadtverwaltung und Schulbehörden, teilweise auch anderer Turnvereine, der Schwierigkeiten Herr zu werden. Neue Jugend. Von Martin Buber (1898). Wie müde Wandervögel waren wir, Wir jungen Juden, stumm und ohne Ruh, Wie ein gehetztes, todesbanges Tier Sah jeder starr dem Weltgetriebe zu, Und wollte doch ein Blitz das Aug entzünden, War es wie Sterne, die in Nacht verschwinden. Wie schmaler Blumenstengel schwanke Schar, In eines Glases enges Rund gepresst, So waren wir. Und wie ein kranker Aar Im Käfig, fern vom felsgeschützten Nest, In Sehnsucht schweigt, so war in tiefer Stille Ein einsam stolzer Schmerz nur unser Wille. So fruchtlos war ja alle unsre Tat, So ohne Zukunft unser junger Drang; Wenn je vor unser durstges Auge trat Des Lebens Glut und goldner Ueberschwang, Da bebte unser Herz, doch durch die Hände Rann träg das Blut, und nirgends war ein Ende. Nur manchmal ahnten wir es dämmerhaft, Dass uns ein ander Loos entgegenquoll, Und keinem war der Mut so tief erschlafft, In diesem Traume war er Glückes voll, Sah er dies Leuchten durch das Dunkel schweben, War er berauscht und wollte doch noch leben.

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