Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1908-10-01 · 10 (10.1908) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
10 (10.1908)
Date
1908-10-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4921092-5965115-5965283--2300-4925125
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 10/11 201 vorwärts stürmte, so wie einst die Makkabäer, — Unser Führer, trotz der Hitze, steile Berge immer höher. Endlich stehn dort schatt'ge Bäume. Hah, da gilts ein letztes Laufen, — Um im kühlen Waldesdunkel auch ein wenig zu verschnaufen. — Doch, der Führer will nicht rasten, während in das Qras wir sinken, — Rennt er immer weiter vorwärts, hört kein Rufen, sieht kein Winken. Einen Augenblick nur ruhen und dann fort in Qottes Namen, — „Noch ein wenig," sagt ein Schlauer, „zu erhitzt sind noch — die Damen." — Als wir wieder weiter eilten, war der Führer uns entschwunden, — Welcher Schreck! Nach langem Suchen ward er doch noch aufgefunden. Ganz versteckt im grünen Busche ist er ruhig dort gesessen, — Hat Banz ohne Kommunismus seinen Proviant gegessen. — Als sein Auge uns erblickte, zog die Stirne er in Falten, — Und hat wegen Ungehorsam eine Predigt uns gehalten. „Wenn Ihr einmal noch zurück bleibt, geh ich fort," so zürnt und schreit er, — Da ward Besserung versprochen, und im Trabe ging es weiter. — Nur der Spottvogel im Kreise möcht die Worte affichieren: — Dass von "un an auch die Führer an der Leine sind zu führen. Intermezzo. Uber frische, grüne Wiesen führt der Weg zum waldesrande, — Und von hohen Aussichtstürmen blickten weit wir in die Lande. — Doch so hübsch die Aussichtspunkte, 's ist für manche schöne oeele —Die Natur, garniert mit Wirtshaus, immer doch die schönste Stelle. Dort, wo Milch und Biere fliessen, werden auch die Stillsten heiter, — Da wird frisch geschmiert die Kehle, und gestärkt geht es dann weiter. — üoch im Wald von Kaltenleutgaben zählt der Führer seine Lieben, — Und m»t dumpfem Orollen merkt er, Zwei sind noch zurück geblieben. Warten heisst es auf die Beiden, und man lässt sich langsam nieder, — Einer setzt sich auf den Baumstamm, andre auf's Qeländer wieder. — Um dle Zeit sich zu vertreiben, ward ein Buch hervorgenommen, — Unbemerkt Slnd währenddessen auch die Andern nachgekommen. n Da, auf einmal hört mans krachen, dann ein lauter Schrei von allen; — Das Qeländer war zerbrochen, und die Rosl runterg'fallen. — Eine „Rolle rücklings" macht sie, wie noch nie gesehn wir's haben, — Dann 'ne halbe rehung seitwärts, und schon liegt sie in dem Graben. Aber kräft'ge Turnerhände haben sie empargezogen, — Und dies alles Xar so Plötzlich, wie im Augenblick verflogen. — Ringsum schreckensbleiche fangen, ängstlich fragt man da und drüben, — Ob die Rosel bei dem Falle v irklich auch noch ganz geblieben. Doch kaum steht die auf den Füssen, sie das Laub vom Haupte rüttelt, ~- Und bedeckt von Schlamm und Sand noch, sie sich schon vor Lachen J^utteit. — Wie nun dies die Andern hören, lacht gleich alles mit im Schalle, ~~ erst hat eine sich gekugelt, aber jetzt — kugeln sich alle. Idylle. Das Lachen war verstummt. — Allmählich stiller ward die lust'ge Schar, Die durch den Wald ging jetzt im Dämmerscheine. Ihr Schritt ward langsam und ihr Lied verklang, lndess ein sanfter Lufthauch sich erhob. Der sie umfächelnd ihre Stirnen kühlte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.