Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 10 (10.1908)
- Date
- 1908-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 10 II Das hebräische Kommando. Seit einigen Jahren macht sich in weiten Kreisen unseres Volkes eine Bewegung geltend, die auf eine Neubelebung unserer alten hebräischen Volkssprache hinzielt. Der praktische Wert solcher Bestrebungen kann natürlich nur dann über den einer nationalen Kundgebung hinausgehen, wenn sich verschiedene Splitter unseres Volkes mit abweichender Muttersprache zu einer gemeinsamen Arbeit vereinigen. Wie von selbst ist das Hebräische im täglichen Verkehr Palästinas aus dem praktischen Bedürfnis der Verständigung erwachsen und man würde es dort für eine ungebührliche Belastung des Turnunterrichts ansehen, wollte ein Lehrer in einer anderen denn der ortsüblichen hebräischen Sprache lehren. Nun ist aber auch aus anderen Ländern der Wunsch nach einem Leitfaden der hebräischen Kommandosprache an uns herangetreten, und wir hatten die angeführten Gründe zu prüfen. Da zeigte es sich, dass auch hier, ähnlich wie in Palästina selbst, die gemeinsame jüdische Arbeit, die an den sprachlichen Grenzen nicht halt machen will noch kann, das hebräische Kommando fordert. Der Turnwart in den Balkanländern und dem weiteren Orient braucht es, um unsere sephardischen Brüder mit den Aschkenasim unter seiner Leitung zu vereinen, und dort, wo in den österreichischen Kronläudern der Nationalitätenkampi wütet, bekräftigt es die Neutralität unserer Turnbrüder. Denn vom Turner verlangt man zuerst, dass er im Völkerreite Farbe bekenne, und unsere Brüder bekennen sich zur jüdischen. Wir haben seit Jahren die Bedeutung des hebräischen Kommandos nicht verkannt, waren uns aber auch der Schwierigkeit unseres Unternehmens voll bewusst. Wer sich nur ein wenig mit der Technik unserer deutschen Turnsprachc befasst hat. den wird ihre F.indeutigkeit, das bis ins kleinste durchgeführte Klangbild, mit Bewundenmg erfüllt haben. Fr wird aber auch erkannt haben, hier d»-s Ergebnis jahrelanger Versuche vor sich zu haben. Wenn wir also an die Ausarbeitung eines solchen Leitfadens gegangen sind, so kam' es sich nur um einen ersten Entwurf handeln. Kür diesen Versuch bieten sich aber unseres Frachtens die günstigsten Bedingungen- Unser Freund Orlori wird die in Bern und Berlin gemachten Studien im Jaffaer Schul- und Vereinsturnen verwerten und erproben. 11,1 das so gesichtete Material einerseits den bedeutendsten Hebraiste Palästinas, andererseits dem breiteren Forum der Turnerschaft Z" sprachlichen und technischen Vervollkommnung vorlegen. Nene unserem Leitfaden soll ein zusammenhängendes hebräisches Lehrbue des Turnens im Lehrbücherverlag des Gymnasiums erscheinen. Alle jene aber, die schon jetzt unsere Arbeit durch Vorschlag unterstützen wollen oder die bereits über irgend welche praktist Versuche berichten können, bitten wir nochmals, sich mit unsere Verbandstiirnwarte in Verbindung zu setzen.