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Jüdische Turnzeitung · 1908-08-01 · 8/9 (8.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
8/9 (8.1908)
Date
1908-08-01
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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174 No. 8 9 Köln. Jüdischer Turnverein. Seit Bestehen unseres Vereines bildeten Turnmärsche nicht den unwichtigsten Punkt unseres Programms. Auch in diesem Jahre haben wir bereits mehrere gelungene Turnfahrten hinter uns. Die am Sonntag, den 19. Juli unternommene A h r—E ifel-Turnfahrt stellte jedoch an die Marschfähigkeit unserer Turner höhere Anforderungen, denn alle früheren und lohnte die Anstrengungen reichlich durch die Menge des Geschauten. Unter Leitung unseres Vorsitzenden, J. Berger, der zugleich der Vorsitzende unserer Turnfahrtskommission ist, fuhren die zwölf Teilnehmer früh vor 6 Uhr nach Remagen. Hier begannen die ersten Schwierigkeiten, sintemalen der Bahnhofsvorstand unsere Karten als ungültig erklärte. Der Überredungskunst unseres Leiters gelang es, die Herren zu veranlassen, ein oder beide Augen zuzudrücken. Dann ging es in flottem Tempo in die Berge. Nach zweistündigem Marsche standen wir auf der Höhe der Landskron. War auch die Aussicht durch das dunstige Wetter gehindert, so blieb doch noch genug des Herrlichen und Überraschenden übrig. Nach Erkletterung der Ruine ging es im Turnermarsch auf ungebahntem Wege mitten durch das Geröll verlassener Weinberge an der steilsten Stelle des Berges ins Tal hinab. Hier wurde zur allgemeinen Befriedigung und noch grösserer Überraschung festgestellt, dass, abgesehen von einigen Metern Hautfetzen, weder ein Arm noch irgend etwas anderes von den Turnern bei dem tollen Abstieg verloren gegangen war. An der Ahr vorbei ging es bis nach Ahrweiler, wo zum ersten und einzigen Male, dem altberühmten Ahrwein zu Liebe, das strenge Gebot der Alkoholabstinenz übertreten wurde. Weiter ging es durch die altertümliche Stadt und dann die Weinberge hinauf in den Hochwald. Die Sonne brannte schon heiss, und es gab nicht wenige, die diese Bergbesteigung als eine etwas ausgeklügelte Schikane des Leiters ansehen wollten. Aber auch sie wurden durch den herrlichen Wald zufriedengestellt. Und als man nachher, nachdem man zunächst von einem 30 Meter hohen Aussichtsturme die umfassende Aussicht auf die Eifelberge :ind zugleich auf ein Gewitter, das sich in den Bergen abspielte, ohne uns zunächst nahe zu kommen, genossen hatte, im Gasthaus „Z u r bunten Kuh" das Ahrtal in seiner ganzen Lieblichkeit vor sich liegen sah, da war keiner mehr, der bedauerte, diesen anstrengenden aber reichlich lohnenden Bergmarsch gemacht zu haben. Wieder ging es hinab ins Tal, und dann in flottem Siebenkilometertempo die Chaussee entlang durch die schönsten Teile des Ahrtales. Vor Altenahr improvisierte man ein Pussbad in der Ahr und dann ging es frisch gestärkt durch den berühmten Strassentunnel an der Lochmühle und dem Weissen Kreuz vorbei hinein nach Altenahr. Knapp eine Stunde der Rast war hier gegeben, als man sich gegen Vfe5 Uhr zum Weitermarsch rüstete. Zuvor erläuterte der Leiter die grossen Strapazen, die in dem nun zu durchwandernden Gebiete der Turnerschar harrten. Da man in den nächsten fünf Stunden keinerlei Bahnstation begegnete, und in dem rauhen und unwegsamen Gebiet an ein Übernachten nicht zu denken war, zogen drei der Teilnehmer es vor, die Tour hier abzubrechen. Die Übrigen zogen frischen Mutes durch das romantische Gebiet des Ahrtales bis nach Krenzberg. Hier wurde der menschlichen Kultur Valet gesagt, hinein gings in die rauhe Eifel. Nach zweistündigem Marsch durch das schon merklich kältere Sahrtal gelangte man vorbei an dem uralten Burgsahr nach Kirschsahr. Ein richtiger Bauernkaffee erfrischte die müden Glieder und dann gings auf die Hochebene. Hier verliess uns die Gunst der Elemente. Wir kamen mitten W die Wolken, die den ganzen Tag über schon die Berggipfel verhüllt hatte1» und uns nun bis auf die Haut durchnässten. Der Weg wurde allmählich ein schmaler Pfad, allerdings ist er vom Eifelverein gut bezeichnet. Die Dunke -

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