Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 5 (5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 107 Kenehmen Lage, der „Jüdischen Turnerschaft" daraus absolut keinen Vorwurf machen zu können, dass sie es nicht getan hat. Denn, dass sie kein Geld hat, weiss wohl ein jeder von uns, und — woher nehmen und nicht stehlen? Umso dankbarer können wir unserem Ges.-Gen. Leicht sein, dieses Thema so zeitgemäss angeschnitten zu haben. Und nun zu seinen Ausführungen selbst. Die Vorschläge, die er macht, sind meiner Meinung nach wohl annehmbar und durchführbar. Doch dürfen wir uns nicht verhehlen, dass sie alles in allem nur kleine Beträge ergeben dürften. Und damit ist doch unserer chronischen Geldknappheit nicht abgeholfen. Sollten nicht durch andere Vorschläge grössere Erfolge zu erzielen sein? Leicht sagt in seinem Artikel wörtlich: Der Verband muss Geld bekommen und doch dürfen die Vereine nicht direkt besteuert werden. Nun gut, so besteuern wir sie eben indirekt. Als Beispiel möchte ich Posen anführen, da mir hier die Verhältnisse am besten bekannt sind. Vor Eintritt in die „Jüdische Turnerschaft" betrug unser Jahresbeitrag 6,— Mk. Hernach wurde er auf 7,— Mk. erhöht und — es krähte kein Hahn danach. Diese eine Mark fällt dem Verbände zu. Ich schlage nun vor, ein jeder Verein solle seine jetzigen Jahresbeiträge um eine Mark erhöhen und auch diese Mark dem Verbände abliefern? Denn dem Einzelnen fällt es doch nicht ins Gewicht — diese Erfahrung haben wir in Posen gemacht —, ob er pro Monat 10 Pfg. oder pro Quartal 25 Pfg. mehr oder weniger zahlt. Ich bin überzeugt davon, dass die event. Mitglieder-Versammlung eines jeden Vereines es als Ehrensache betrachten wird, zu diesem Zwecke die Beiträge zu erhöhen. Dem Verbände aber wäre damit in nicht zu langer Zeit geholfen. Ich schätze die Mitgliederzahl der „Jüdischen Turnerschaft" (mit Damen) auf ca. 2000, vielleicht etwas weniger, vielleicht etwas mehr. Dies würde nach meinem Vorschlag eine Einnahme von 2000 Mk. pro Jahr ersehen. Dazu kommt der Eingang von Spenden sowie derjenige aus den Vorschlägen des Reierenten. ferner der Bestand von 1200 Mk. und in ca. drei bis vier Jahren kann der unersättliche Kollege Leicht seine geforderten 10 000 Mk. haben — nota bene, wenn mein Vorschlag zur Durchführung kommt. Und unseren Finanzen muss auf die Beine geholfen werden. "Wenn wir uns nicht wieder vor die beschämende Tatsache gestellt sehen wollen, einen sonst rührigen Verein aus Mangel an Geld von der Bildfläche verschwinden zu sehen. Ein etwas radikal gesinnter Freund sagte mir bei Besprechung des „Prager Falles": Wenn die „Jüdische Turnerschaft" solchen fällen nicht voi beugen kann, dann ist es besser, gar keine Turnerschaft z" haben. Nun. ich stehe ganz und gar nicht auf diesem Standpunkte, aber ~- ein Körnchen Wahrheit liegt doch darin. Also: Geld ist die Parole! Und so rufe ich mit dem Turnbruder Leicht aus: Gedenket des Verbandsfonds! Jacob Elias, Posen. Wir veröffentlichen obige Vorschläge gern, trotzdem wir uns mit "Wen nicht ganz einverstanden erklären können; unser Freund Elias geht zum Teil .von irrtümlichen Voraussetzungen aus. D. Red. Persönliches. Die Geburt einer Tochter zeigen Herr Theobald Scholen! und Frau an. Wir grüssen dieses jüngste Turntöchterlein mit kräftigem Hedad und gratulieren dem hochverehrten früheren Vorsitzenden der „Jüdischen Turnerschaft" und seine Gemahlin herzlich.