Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 5 (5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 99 Pflanze abhält, ist die Zeit, wo wir das traute Verhältnis zu Wald, Feld und Wiese gewinnen, das uns bis in den Winter hinein mit ihnen verwachsen, ihr Schicksal teilen und miterleben lässt. Es ist das wie beim Menschen. Wie es uns treibt, das Schicksal des Freundes ganz zu kennen, so dürfen wir auch diese ereignisreichste Zeit im Werden der Natur nicht verpassen. So drehte sich denn auch dann, wenn das musikalische Pensum ein wenig Zeit Hess, die Unterhaltung um das Nächstliegende, um all die Schönheit, die wir um uns sahen. Kurz vor tlaselhorst wurde ein kleiner Dreikampf veranstaltet, dessen Sieger tags darauf durch Prämien ausgezeichnet wurden. Dann ins Lokal, dort ein wenig Erfrischung, und weiter hinein in den Wald, bis bei Saatwinkel zu mehrstündigem flotten Turnspiel (Barrlauf, Jagd, Ringkampf) Halt gemacht wurde. Nun gings entlang am Tegeler See, der in ödem Qrau verschlafen dalag, vorbei an der Schwebebahnanlage der Gaswerke, durch Tegel hindurch auf den reizvollen Schulzendorfer Weg. Dort geben die zahlreichen in die Büchenbestände eingestreuten Wachholderbiische dem Walde ein parkartiges Aussehen. In Schulzendorf Vesperrast, dann im strammen Marsche nach Hermsdorf, und von dort durch das idyllische Waidmannslust zur Chaussee, deren Ebereschen bereits ganz schüchtern die dunkelroten Blütenknospen durchschauen lassen und uns auf geradem Wege nach Tegel zurückgeleiten. Von dort gelangt ein jeder mit der Strassenbahn für 10 Pf. bis tief in das Häusermeer der Stadt in die nächste Nähe seiner Behausung. Dort angekommen, hatte ein jeder das frohe Bewusstsein, nicht nur etwas gesehen und erlebt, sondern auch einen anständigen Marsch geleistet zu haben. Die Marschdisziplin war durchweg gut. Voranzeige: Am 10. Mai Ausflug der Männerabteilungen. Treffpunkt: %8 Uhr Stettiner Vorort-Bahnhof, Fahrt nach Buch, Wanderung über Schildow, Schönow, Schönerlinde, Zepernick nach Bernau. Wien. I. Wiener ludischer Turnverein. Die am 29. April stattgefundene Generalversammlung unseres Vereines gab nach langer, heftiger Debatte dem Turnrate die Ermächtigung, die für die Adaptierung der neuen Turnhalle nötigen Gelder aus dem Turnhallenbaufonds zu entnehmen. Die Arbeiten für die Einrichtung selbst schreiten rüstig weiter und neigen sich ihrer Vollendung zu. Die Eröffnung der neuen Halle wird in feierlicher Weise vor geladenem Publikum durch das Herrenturnen am Donnerstag, den 21. Mai, vor sich gehen. An der V o r t u r n e r s t u n d e zu Pfingsten in Köln werden wir uns beteiligen und hoffen mit unseren Turnbrüdern aus den anderen Vereinen, dass diese Veranstaltung viel zum Nutzen unserer Bewegung beitragen wird. Schliesslich sei noch erwähnt, dass an Stelle des aus dem Turnrate ausscheidenden 1. Schriftführers, Herrn Dr. J. Littmann, der bisherige 2. Schriftführer des Vereins, Herr Dr. Rob. Donath, und zum 2. Schriftführer Herr Alfred B u r i n gewählt wurden. S e k t i o n „ J u n g - J u d a " des I. Wiener jüdischen Turnvereins. Wir haben schon früher wiederholt über unsere Sektion „Jung-Juda" berichtet, und es dürfte von Interesse sein, näheres über ihr Wirken zu hören. Die Sektion hat sich bekanntlich das Ziel gesetzt, den national-jüd'schen Gedanken, die Idee des Zionismus unter den Mitgliedern des Turnvereins zu verbreiten; die Angehörigen unserer Vereinigung sollten also in gewissem Sinne die Pioniere für diese Aufgabe sein, nebenbei aber auch einen Grundstock des Vereins bilden. Unsere Arbeit sahen wir zunächst in der Abhaltung regelmässiger Srösserer und kleinerer Referate mit anschliessenden Diskussionen über das