Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 5 (5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 89 und unmutig machen. Kritik wird geübt, aber in der dem Turnen nachfolgenden Besprechung. Unter keinen Umständen darf diese entfallen, wie es in Wien der Fall war. Ein Vorturnerturnen ohne Besprechung wäre eine Speise ohne Würze. Doch ist hierbei nicht zu vergessen, dass Methode Sache der freien Auffassung ist, und es wird jedem unbenommen bleiben müssen, die Qründe seines Vorgehens, die ja hauptsächlich in praktischen Erfahrungen basieren, auf seine Weise zu erläutern. Das praktische Turnen wird eine Reihe von Differenzen in turnsprachlicher Hinsicht ergeben, die von der gewählten Kommission erst geprüft und dann einer Lösung zugeführt werden müssen. Ich habe daher beantragt, das Referat Uber Turnsprache auf Qrund der gemachten Erfahrungen auszuarbeiten und erst gelegentlich des nächsten Turntages zu erstatten. Nun liegt mir noch eines am tierzen, das ich unbedingt in das Programm aller künftigen Vorturnerstunden aufgenommen wissen will. Wer ist heute Vorturner? Der von Gnaden des Platzleiters vermöge seiner Fertigkeit an die Spitze der Riege gestellte bessere und gute Turner. Das muss aufhören. Nun wir eine Voi turnerstunde haben, ist auch das Forum geschaffen, welchem die Abnahme von Vorturnerprüfungen zuzuweisen ist. Vor dem Verbandsturnwarte und einem zu diesem Zwecke eingesetzten Ausschusse sei hinfort die Vorturnerprüfung gelegentlich der Vorturnerstunde abzulegen und nur der darf den Titel „Vorturner" führen, den dieser Prüfungsausschuss hierzu für befähigt erklärt hat. Ich hoffe, dass meine Anregungen auf fruchtbaren Boden fallen und sehe freudevoll dem Zusammentreffen mit so vielen gleichgesinnten Turn- -irüdern entgegen. Frühling. Wenn wir Juden den Frühling grossen und das Erwachen draussen auch uns zu neuem Hoffen, neuen Vorsätzen und neuer Schaffensfreude weckt, dann mahnt die' Feier des Pessach, all dies Frohgefflhl in den Dienst unseres Volkes zu stellen, und erinnert, dass nach tiefer Sklaverei eine herrliche Befreiung anbricht. So unsere Seelen noch ein wenig im Gleichtakt mit dem Werden und Vergehen in der Natur sich zu regen vermögen, muss gerade das „Freiheitsfest" die fruchtbarsten Energien in uns wecken und unserm Volke nutzbar machen; und wir wissen unsern Vätern Dank, dass sie es uns in unwandelbarer Pflichttreue aus grauer Vorzeit herübergerettet haben. Wer aber die Pessachtage so recht erleben will, der muss nach den trauten Sederabenden hinausgehen, Wald und Flur durchstreifen und Zeuge werden des sich alljährlich erneuernden Frühlingskampfes: Erst nur schüchtern sprossende Vorboten, niedrige Beerengewächse, einige Kätzchenträger, dann die dicken, kraftstrotzenden Kerzen der Rosskastanie, die nadelspitzen Buchenknospen und,