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Jüdische Turnzeitung · 1908-04-01 · 4 (4.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
4 (4.1908)
Date
1908-04-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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70 No. 4 beginnt und mit dem festen Willen, auch seiner nationalen Eigenart Raum zu schaffen, dem Leben ein lautes „Ja" entgegenruft. Entsprechend den besonderen Verhältnissen der englischen und amerikanischen Juden tragen die gymnastischen Vereine nicht den ausgesprochenen nationalen Charakter unserer Turnerschaft; wenn jedoch nicht alle politischen Anzeichen trügen, so werden auch unsere amerikanischen und britischen Freunde binnen kurzern zur schärferen Betonung ihres nationalen Programmpunktes gelangen. In England sowohl wie in Amerika bestehen eine grosse Anzahl jüdischer Jugendvereine, die ausnahmslos den Leibesübungen in ihrem Programm einen weiten Raum gewähren. Als beliebteste Sportarten gelten: Schwimmen, Rudern, Baseball, Basketball, Pussball, Cricket, Tennis, Diskuswerfen und Scheibenschiessen. In den meisten Fällen handelt es sich bei diesen Vereinen um eine glückliche Verbindung grosszügiger sozialer Hilfsaibeit und freier geselliger und sportlicher Vereinigung. Das soziale Verständnis der englischen und amerikanischen Juden hat schon längst zu der Einsicht geführt, dass die physische Kräftigung der Jugend das beste Mittel sei, den armen Emigranten den Kampf ums Dasein zu erleichtern. In kurzem werden wir in der Lage sein, ausführlich Uber das Wesen der amerikanischen Clubs zu berichten, heute sei nur auf die bedeutendsten, die Young Men's Hebrew Association mit ihren Zweigvereinen in New York, Philadelphia und Boston, hingewiesen, deren Städtespiel New York—Philadelphia im Baseball das wichtigste sportliche Ereignis der amerikanischen Judenheit zu bilden pflegt. Wir haben im Laufe der Jahre öfters Gelegenheit gehabt, auf die segensreiche Tätigkeit der englischen „Jewish Lads Brigade" hinzuweisen, deren Schöpfer der hochherzige Oberst Q o I d s m i t h bereits bei der Gründung der Jüdischen Turnzeitung unserem Beginnen herzlichen Beifall und freudige Anerkennung gezollt hatte. Neuerdings hat uns das liebenswürdige Entgegenkommen des Herrn E. Jacob, Sekretärs im Hauptquartier der Brigade, in die Lage versetzt, ein anschauliches Bild ihrer grosszügigen Arbeit zu gewinnen. Als Zweck der Brigade bekundet deren Leitsatz „die Gewöhnung der heranwachsenden Generation von frühester Jugend an Ordnungsliebe, Sauberkeit, Ehrbarkeit und Selbstachtung, die sie zu nützlichen Mitgliedern ihrer Gemeinschaft machen sollen". Es bestehen zurzeit 19 Kompagnien in London, 5 in Manchester und je eine in Liverpool, Birmingham und Dublin. Die Zöglinge rekrutieren sich in ihrer Mehrheit aus den wenig bemittelten Kreisen der Einwanderer, während die Leiter, grossenteils Offiziere der britischen Armee und Marine, ihre Posten im Ehrenamt veisehen. Die Knaben haben einen ihren Verhältnissen angemessenen Beitrag zu entrichten, während der weitaus grösste Teil der Ausgaben durch Spenden aufgebracht wird. So bietet die Brigade ein rühmliches Zeichen der sozialen Einsicht der englischen Judenheit, die sich nicht mit der Verteilung von Almosen begnUgt, sondern die Initiative der Selbsthilfe tatkräftig unterstützt. Für den Erfolg der jüdischen Philanthropie Deutschlands und der übrigen Länder wird es von wesentlicher Bedeutung sein, ob es gelingt, ihnen gleiche oder doch ähnliche Wege zu weisen. So haben die Juden Galiziens durch Gründung von Turnvereinen zur Hebung ihrer körperlichen Tüchtigkeit schon längst den Weg der Selbsthilfe beschritten und einer weit ausschauenden Hilfsarbeit fruchtbaren Boden bereitet. Einen besonders wertvollen Faktor in der Arbeit der Brigade bildet das freundschaftliche Verhältnis zwischen Offizieren und Mannschaften. Ein jeder der Knaben findet so seinen väterlichen Freund, dem er sich ganz offenbaren kann, dessen Rat und tätiger Hilfe er stets sicher ist. (Forts, folgt.)

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